Normandie 3: Vendreuve
Eigentlich suchte ich nur ein familienkompatibles Ausflugsziel. Das Schloss Vendreuve erschien da ganz geeignet: Es besitzt eine Sammlung antiker Miniaturmöbel (na ja), einen formalen Garten aus dem 18.
Jahrhundert (immerhin, ein Garten) und vor allem die ebenfalls historischen “Jardins de l’eau surprises”. Das klang nach einem Riesenspaß für die Kinder, dachte ich.
Das Ergebnis fiel dann etwas anders aus als erwartet: Dora, die Älteste, verlor die Nerven, wann immer eine der Fontänen unerwartet ansprang. Irene, die Jüngere, ansonsten eher unerschrocken, ließ sich von der Panik der großen Schwester anstecken und brüllte ebenfalls. Elias, 11 Monate, beobachtete sie Mädels beunruhigt. Nur die Eltern konnten gar nicht genug bekommen von den wasserspeienden Schildkröten-Kaskaden, den Wasservorhängen, die von Pavillondächern stürzten und dem Strahl, der einer barbusigen Nymphe aus - na, könnt Ihr Euch denken – schoss.
Klingt kitschig, war es aber gar nicht, wozu sicher auch die geschickte Bepflanzung beigetragen hat. Dieser
Teil des Gartens lebt vom Kontrast fantastisch zurechtgestutzter Formgehölze mit üppigem Wildwuchs. Das war so gekonnt gemacht, dass ich tatsächlich begonnen habe, meine Abneigung gegen Formschnitt zu überdenken.
Neben dem Wassergarten und den formalen Parterres bietet Vendreuve zudem ein Heckenlabyrinth, dessen verschlungene Wege zu kleinen Überraschungen wie einem antiken Tempelgong oder einem winzigen, aber überschäumenden exotischen Garten führen. Beim Herumschlendern fing ich an zu sinnieren, wie wichtig doch ein Hauch von Magie, ein bisschen mystische Atmosphäre für einen Garten ist, vielleicht sogar ein bisschen Verrücktheit. Es muss ja nicht gleich eine spuckende Schildkröte sein…