Die Blumen des Bösen

Ob es das Böse an sich gibt, und welcher Art es ist, beschäftigt die Menschen seit Urzeiten. Dass Pflanzen böse sein können, würde wohl niemand behaupten. Oder doch? Ins Grübeln kam ich bei einem gestrigen Spaziergang durch die (wunderbaren) Gewächshäuser des Potsdamer Botanischen Gartens, den ich hier ja schon einmal gelobt habe.

Mir scheint, die Kuratoren dort hegen eine gewisse Neigung zum Absonderlichen; jedenfalls finden sich in der Sammlung neben den üblichen Verdächtigen umfassende Kollektionen einiger merkwürdiger Genera. Zum Beispiel der Aristolochien, zu deutsch Pfeifenwinden oder noch harmloser Osterluzei genannt. Und als mich da so eine von der Glasdecke herabhängende Blüte der Aristolochia grandiflora anstarrte, meinte ich, die Aura des Bösen hautnah zu spüren.

Mit Blümchensex haben die Vermehrungsorgane dieser Schlingpflanze wirklich nichts zu tun. Sie sehen vielmehr aus wie riesige, blutunterlaufene Augen –  die menschenfressende Pflanze “Audrey 2″ aus dem “Kleinen Horrorladen” wirkt daneben so harmlos wie ein Usambaraveilchen. Die Blüten der Pfeifenwinde sind denn auch perfide Fallen, die sich mit ihrer rostroten Sprenkelung als Fleischfetzen tarnen und überdies Aasgeruch verströmen, um Fliegen anzulocken. Die Insekten halten sie dann in ihrem Inneren tagelang gefangen, bis die Blüte bestäubt ist.

Doch während sie ihre Sexsklavinnen gnädigerweise wieder in Freiheit entlässt, hat Aristolochia schon manchen Menschen heimtückisch ums Leben gebracht. Sie galt nämlich lange Zeit als Heilpflanze und kommt auch heute noch in der chinesischen Medizin zum Einsatz. Leider schädigt der Inhaltsstoff Aristolochiasäure die Nieren und andere Organe; bei Patienten, die entsprechende chinesische Kräuterpräparate schluckten, trat gehäuft Nierenkrebs auf. Wenn also Baudelaires “Fleurs du Mal” in der botanischen Realität existieren sollten, dann gehört Aristolochia garantiert dazu.

3 Antworten zu “Die Blumen des Bösen”

  1. Sibylle Pietrek sagt:

    Hallo Alexandra,

    schön auf deinen Blog zu stoßen und auch deine Fazination vom ” Jardin de Plume” teilen zu können.
    Ich war im letzten Herbst dort und trotz Dauerregen und nölenden Kinder über eine Stunde mit meiner Kamera unterwegs.
    Freue mich über neue Beiträge , Gruss Sibylle

  2. Zentralgaertnerin sagt:

    Hallo Sibylle, willkommen im Zentralgarten! Ich traue mich übrigens nicht, meine Kleinen bei Gartenbesuchen mitzunehmen, chapeau!

  3. Kathrin sagt:

    Hallo! Mir gefällt Deine Seite wirklich gut.

    lg kathrin

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