Archiv für die Kategorie ‘Daheim’

Sorry, eine Panne

Dienstag, 02. Februar 2010

Wer zu müde zum denken ist, sollte auch nicht bloggen - und schon gar keine Spamkommentare löschen. Dabei ist mir nämlich der GAU passiert, und so ziemlich alle Kommentare der letzten Wochen sind im Nirwana gelandet. War keine Absicht, sondern nur eine durchwachte Nacht. Und jetzt schneit es auch noch. Ich wandere aus. Irgendwohin, wo es weder Schnee noch schreiende Kinder oder Erkältungsviren gibt, sondern tropisch wuchernde Gärten, die nicht wochenlang einfach verschwinden wie gelöschte Kommentare…

Asiatica

Donnerstag, 14. Januar 2010

Garten? Welcher Garten? Hinter dem Haus erstreckt sich nichts als ein Schneefeld, aus dem verdorrte Stängel und kahle Zweige ragen. Trost spendet da nur eine kleine Plantage in meinem Arbeitszimmer. Dort sprießen aus einer Reihe Töpfe am Fenster ein paar Stecklinge und Halme. Ehrlich gesagt, sehen sie ziemlich armselig aus. Trotzdem setze ich große – nicht zuletzt kulinarische – Hoffnungen in die Pflänzchen.

Immer mal wieder hatte ich gelesen, dass man Zitronengrashalme aus dem Asien-Laden in einem Glas Wasser bewurzeln könne; ganz daran geglaubt habe ich nicht. Schließlich lagern sie da unbestimmte Zeit im Kühlschrank. Trotzdem habe ich es ausprobiert. Erst tat sich wochenlang nichts, bis schließlich das äußere Blatt zu vertrocknen begann. Ich riss es ab, stellte den Halm zurück ins Wasser, und siehe da! – an der Bruchstelle sprossen binnen Tagen Wurzeln. Ich wiederholte die Behandlung bei einem zweiten Halm, mit demselben Ergebnis. Inzwischen haben sich schon neue Blätter an der Pflanzenbasis gebildet.

Köpfen oder nicht?

Mittwoch, 23. Dezember 2009

“Deadheading” nennen die Briten etwas makaber das Abschneiden verblühter Blumen und Samenstände. Inzwischen sollte sich herumgesprochen haben, dass das herbstliche Köpfen aller verdorrten Stauden und Stängel nicht sehr ökologisch ist. Denn in hohlen Halmen überwintern viele Insekten, und Vögel picken gern an Samenständen. Dieses Jahr waren bei mir wieder die Stieglitze zu Gast – inzwischen sind sie zu viert –, um die Köpfchen der Karde leerzufuttern. Aber auch an anderen Samenständen, zum Beispiel der Echinaceen, bedienen sich die Vögel gern.

Wer jeden verblühten Halm kappt, beraubt sich aber auch einer ästhetischen Dimension des Gartens: Trockene Halme und Kapseln können ungemein dekorativ aussehen – vor allem, wenn der Schnee ihnen, wie in den letzten Tagen, Häubchen aufsetzt. Aber mit der Ästhetik ist das so eine Abwägungssache: Was der eine grafisch reizvoll findet, erscheint dem anderen trist und morbide.

Ein Baum ist ein Baum ist ein Lolli

Montag, 30. November 2009

Es gibt ja Kinder, die können gut malen, und solche, die da nicht so begabt sind. Letztere zeichnen zum Beispiel einen Baum mit einem gleichmäßig dicken Stamm und kugelrunder Krone. Die anderen haben spätestens im Alter von fünf Jahren beobachtet, dass ein Baumstamm kein Rohr ist und eine Baumkrone selten ein Ball. Leider machen manche Menschen diesen Erkentnisfortschritt nie mit, und wenn sie dann alt genug sind, einem Landschaftsgärtner viel Geld hinterherzuwerfen, lassen sie sich Dauerlutscher vor die Tür setzen.

Ich rede von der grassierenden Marotte, statt anständiger Bäume mopartige Gebilde mit runder Krone zu pflanzen, und das paarweise, wenn nur irgend möglich. Allein von meinem Schreibtisch aus genieße ich den Blick auf fünf solche Trauergestalten in fünf Gärten (!). Bei vieren davon handelt es sich um Kugelahorne, die fünfte ist eine Kugelrobinie.

Pretty Patricia

Freitag, 27. November 2009

Nun hat die Zeit begonnen, da man die blühenden Pflanzen draußen an den Fingern einer Hand abzählen kann. Nur mein Vorgarten erlebt seinen unzeitgemäßen Blütenrausch mit den beiden notorischen Chrysanthemen, die, wie ich schon geahnt habe, weder in Form noch Farbe harmonieren. Aber was soll’s, Ende November sollte man über jede Blüte dankbar sein und nicht zu viel Wert auf gärtnerisches Chichi legen.

Im Innenhof dagegen dominiert längst das spätherbstliche gelb-braun. Nur die Dahlie “Faszination” zeigt bislang keine Ermüdungserscheinungen, allenfalls sind ihre pinkfarbenen Blüten ein wenig kleiner und blasser geworden. Die ersten Blüten des Duftschneeballs (Viburnum farreri) haben sich geöffnet; ich will dieses Jahr ein paar Zweige für die Vase opfern, damit ich den zarten Vanilleduft endlich richtig genießen kann. Draußen in der Kälte spürt man ihn nämlich kaum.

Meditation über den Kiesgarten

Montag, 16. November 2009

Das Ehepaar G. zwei Häuser weiter, beide erfolgreiche Juristen, hat weder Zeit noch Lust, sich mit seinem Garten zu befassen. Deshalb ließen sie ihre Parzelle im streng minimalistischen Stil begrünen: Rollrasen, Buchshecke und drei antennenartig deformierte Platanen, die einmal so eine Art Laube ergeben sollen. Leider haben die G.’s, jeglicher botanischer Kenntnisse unverdächtig, nicht geahnt, dass auch ein Rollrasen Pflege benötigt: Er will gemäht werden!

Also sieht (und hört) man Herrn G. im Sommer alle zwei Wochen samstags den Rasenmäher herumschieben, wobei ihm seine Gattin Gesellschaft leistet. Einmal hörte man sie stöhnen: “Hätten wir gewusst, wie viel Arbeit so ein Rasen macht, hätten wir einen japanischen Kiesgarten angelegt!”

Faux-pas im Staudenbeet

Montag, 09. November 2009

Welcher Gärtner träumt nicht von einer klassischen Staudenrabatte in raffinierten, fein abgestuften Farbkombinationen? Oder ganz in weiß wie Vita Sackville-Wests berühmte Kreation im Garten von Sissinghurst? Tja, wenn das mal so einfach wäre. In der Praxis stößt man nämlich auf allerlei Hindernisse, an denen die wohldurchdachten Pflanzpläne scheitern.

Da ist zum einen das Klima, das im Sommer deutlich heißer und trockener ist als im Mutterland der Gartenkunst, Großbritannien. Während dort die Stauden bei kühl-feuchter Witterung ihre Blüten hinreichend lange erstrahlen lassen, welken sie bei uns viel schneller dahin. Die Folge: Sorgsam arrangierte Blumenpaare verpassen ihr Rendez-vous.

Gemein!

Montag, 02. November 2009

Normalerweise sorgt der morgendliche Gartenrundgang für einen fröhlichen Start in den Tag. Manchmal aber kann er mir auch nachhaltig die Laune verderben. Gestern zum Beispiel entdeckte ich drei kleine, unauffällige Kuhlen im Staudenbeet. Auffällig war bloß, dass sie sich an eben der Stelle befanden, wo ich zehn Tage zuvor Winterlinge gesetzt hatte.

Ich grub nach und fand meine Befürchtung bestätigt. Besser gesagt: Ich fand – nichts. Keine einzige der kleinen, braunen Knollen war übrig geblieben. Es müssen Mäuse gewesen sein.

Buntes Treiben

Freitag, 30. Oktober 2009

Als ich gestern den Briefkasten leeren wollte, fand ich auf der Schwelle ein sattgelbes, perfekt geformtes Ahornblatt. Es war, als habe es mir jemand als Gruß vor die Tür gelegt, der Herbst persönlich vielleicht.

Viele Menschen stimmt er ja depressiv, doch ich liebe diese Jahreszeit trotz Nieselregen, Dunkelheit und relativer Blütenarmut sehr. Denn was braucht es Blumen, wenn das Herbstlaub für einen Farbenrausch ohnegleichen sorgt? Zu keiner anderen Zeit trägt die Natur ihre Farben so großflächig, mit so expressiv-dickem Pinselstrich auf. Bei Indian Summer denkt man ja automatisch an Bäume, doch in meinem Garten, der in diesen Tagen genau drei Jahre alt wird, sind die Gehölze naturgemäß noch klein. Überhaupt dürfte in den wenigsten Stadtgärten Platz für einen ausgewachsenen Ahorn, einen Amberbaum oder gar eine Buche sein.

Von Stern-Redakteuren, Selbstversorgern und Paprika-schoten

Dienstag, 27. Oktober 2009

Als sich die Temperaturen in Berlin zwischenzeitlich dem Gefrierpunkt näherten, barg ich dann doch hektisch alles kälteempfindliche Gemüse. Die Ernte dieses Jahres kann sich sehen lassen, und meine Bedenken, mit Auberginen und Paprika peinliche Flops zu landen, haben sich als grundlos erwiesen: Die getopfte Paprika auf der Terrasse lieferte drei feuerwehrautorote, sehr schmackhafte Früchte. Und selbst die vier Pflanzen im Beet kamen noch zusammen auf sechs grüne Schoten von Supermarktformat.

Vom ersten und größten (über zwei Kilo!) Butternuss-Kürbis haben wir schon dreimal gegessen, und es ist immer noch ein Rest da. Die zwei weiteren, etwas kleineren liegen im Heizungskeller und reifen nach, zusammen mit den letzten Tomaten. Und die Ente der tischtennisballgroßen Auberginen fiel immerhin so groß aus, dass wir drei Mahlzeiten damit bestreiten konnten.