Archiv für die Kategorie ‘Gelesen’

Geheim, aber nicht aufregend

Donnerstag, 04. Februar 2010

Da ich ja in meinem Garten nach wie vor nur weiß sehe, habe ich mich wieder einer weiteren Lieblingsbeschäftigung zugewandt: Gartenbücher lesen. Und siehe da, endlich hat die Bibliothek den Band “Die geheimen Gärten von Berlin” ausgespuckt, nach dem ich hier ja schon einmal gefragt wurde. Also eine kurze Rezension.

Ein gediegenes Buch, keine Frage, sehr gut fotografiert, nett zum Blättern. Aber, liebe Rita, kaufen würde ich es mir nicht. Weil mir die Auswahl doch zu konventionell ist – schöne, repräsentative, aber nicht sonderlich originelle Gärten. Um nicht zu sagen: bieder. Klar, da ist der eine oder andere spektakuläre Villengarten mit Wassergrundstück, aber mir fehlt doch der zeitgemäße Touch. Mit einer Ausnahme vielleicht finden sich keine Beispiele moderner Pflanzenverwendung, kein wirklich frisches Design. Und deshalb für mich auch keine Inspiration.

Lesefrüchte für den Weihnachtsbaum

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Ich bin süchtig nach Gartenbüchern, ich bekenne es. Leider hinterlässt ihr Konsum oft ein ähnlich schales Gefühl wie das obsessive Leeren einer Chipstüte oder das heimliche Vertilgen der Schokoweihnachtsmänner, die eigentlich dem Nachwuchs zugedacht waren. Die immer gleichen schönen, glatten Bilder, die belanglosen Texte – wie viele Stunden habe ich schon mit so wenig anregender Lektüre vertan!

Hinzu kommt, dass die große Mehrheit der deutschen Bücher über Gartengestaltung einen rosenrüschig-romantischen Stil propagiert, der weder zu mir noch zu meinem Garten mitten in der Großstadt passt. Die restlichen Werke widmen sich dann den repräsentativen Natursteinorgien samt Schwimmteich und Formgehölzen. Auch nicht mein Ding.

Von Stern-Redakteuren, Selbstversorgern und Paprika-schoten

Dienstag, 27. Oktober 2009

Als sich die Temperaturen in Berlin zwischenzeitlich dem Gefrierpunkt näherten, barg ich dann doch hektisch alles kälteempfindliche Gemüse. Die Ernte dieses Jahres kann sich sehen lassen, und meine Bedenken, mit Auberginen und Paprika peinliche Flops zu landen, haben sich als grundlos erwiesen: Die getopfte Paprika auf der Terrasse lieferte drei feuerwehrautorote, sehr schmackhafte Früchte. Und selbst die vier Pflanzen im Beet kamen noch zusammen auf sechs grüne Schoten von Supermarktformat.

Vom ersten und größten (über zwei Kilo!) Butternuss-Kürbis haben wir schon dreimal gegessen, und es ist immer noch ein Rest da. Die zwei weiteren, etwas kleineren liegen im Heizungskeller und reifen nach, zusammen mit den letzten Tomaten. Und die Ente der tischtennisballgroßen Auberginen fiel immerhin so groß aus, dass wir drei Mahlzeiten damit bestreiten konnten.

Neuentdeckungen

Freitag, 23. Oktober 2009

Neulich habe ich mir zwei Bände mit alten Gartenkolumnen des mittlerweile verstorbenen Zeit-Autors Jürgen Dahl aus der Bibliothek geholt (”Nachrichten aus dem Garten”. Obwohl die Texte teils über 20 Jahre alt sind, wirken sie noch immer frisch und inspirierend. Vor allem hat mir gefallen, welche Aufmerksamkeit Dahl unscheinbaren Gewächsen - oft unbekannten heimischen Wildpflanzen – und kleinsten Details widmete. So legte er eine Wegerich-Sammlung (!) an und registrierte genau, welche subtil unterschiedlichen Formen dieser wandelbaren (Un)Kräuter in seinem Garten gediehen.

Mediale Höhenflüge

Samstag, 15. August 2009

Keine drei Jahre ist mein Garten alt, und schon hat er es zum Filmstar gebracht. Na ja, genau genommen handelt es sich um einen knapp dreiminütigen Videoclip auf “Zeit online”, aber immerhin. Natürlich bin ich sehr stolz, zumal ich im begleitenden Artikel der Kollegin Susanne Wiborg in einem Atemzug mit Hillary Clinton und Michelle Obama genannt werde. Allerdings folgt im nächsten Atemzug die bei allem Erfolg doch etwas biedere Zeitschrift Landlust

Offenbar ist mein Garten also im magischen Dreieck zwischen besagter Zeitschrift, Weißem Haus und ebenfalls gärtnernder Gisele Bündchen zu verorten, obwohl die, wie meine Freundin Kirsten moniert, “nicht einmal eine Gießkanne richtig halten kann”. Wie dem auch sei, vielen Dank an die netten Besucher von “Zeit online” und speziell den Kameramann, dem es gelang, meinen Garten trotz urlaubsbedingtem “Bad Hair Day” im besten Licht erscheinen zu lassen.

Frustkäufe

Dienstag, 12. Mai 2009

Normalerweise bin ich ja kein sonderlich engagierter Förderer der deutschen Konjunktur. Für Shopping-Touren habe ich keine Zeit, zumal ich nichts so sehr hasse wie das ständige An- und Ausziehen in der Umkleidekabine. Auch um mich für die Multifunktionalität elektronischer Spielzeuge zu begeistern, bin ich viel zu ungeduldig. Mein Schwachpunkt sind, Ihr wisst es, nur die Pflanzen.

So war ich Freitag früh aus Gründen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, ziemlich deprimiert. Und ausgerechnet da flackerte auf meinem Bildschirm die Werbe-Mail einer Berliner Blumenzwiebelfirma auf: Man habe, so wurde ich informiert, sämtliche verbliebenen Lilien des Sortiments um 50 Prozent reduziert. Nachdem ich im Vorjahr erstaunlich gute Erfahrungen mit zwei total überlagerten Lilienzwiebeln aus dem Baumarkt für 99 Cent gemacht hatte (das Resultat ist im Kopf dieses Blogs zu bewundern), gab es da kein Halten. Leider war der Mindestbestellwert mitnichten reduziert, so dass man nicht sagen kann, dass ich Geld gespart hätte. Im Gegenteil.

Zu den Waffen!

Montag, 02. Februar 2009

Eigentlich dachte ich ja, unsere Nachbarschaft bestünde ausschließlich aus freiberufelnden Yuppies (spießig) und jungen Familien (auch spießig). Aber ich habe mich getäuscht: Auch hinter Natursteinfassaden haust mitunter ein revolutionärer Geist. Und manch ehrbare Mutter, die nachmittags ihre Kinder zum Chorsingen chauffiert, greift bei Einbruch der Dämmerung zur Waffe, um die Welt zu verbessern. Nein, keine AK-47. Sondern Schaufel und Gießkanne.

Wenn es irgendeinen Zweifel geben kann, dass Guerilla Gardening allmählich zum Breitensport wird, so dürfte das Beispiel A. ihn ausräumen. A., katholisch, Mutter dreier reizender Töchter, eröffnete mir neulich, sie habe gemeinsam mit der Mutter von Nachbarin M. ein paar hundert Blumenzwiebeln im Grünstreifen vor ihrer Häuserreihe vergraben. Hunderte Blumen-zwiebeln! Das hat mir imponiert.

Der steinerne Garten

Montag, 08. Dezember 2008

Über den ehemaligen Berliner Senatsbaudirektor Hans Stimmann alias “Der Steinerne” (Tagesspiegel) ist schon viel geschimpft worden, und eigentlich ist es undankbar, wenn ich in den Chor einstimme: Schließlich würde es das Viertel, in dem ich wohne, ohne diesen Herrn wohl nicht geben. Andererseits habe ich Stimmann auf Diskussionsveranstaltungen als Buchsbaum-Nostalgiker erlebt, der sentimental von Vorgärten im viktorianischen Stil schwärmte. Doch hat er verhindert, dass praktisch alle Vorgärten in unserer Nachbarschaft zu Kfz-Stellplätzen umgewidmet wurden? Von wegen.