Archiv für die Kategorie ‘Gelesen’

Frustkäufe

Dienstag, 12. Mai 2009

Normalerweise bin ich ja kein sonderlich engagierter Förderer der deutschen Konjunktur. Für Shopping-Touren habe ich keine Zeit, zumal ich nichts so sehr hasse wie das ständige An- und Ausziehen in der Umkleidekabine. Auch um mich für die Multifunktionalität elektronischer Spielzeuge zu begeistern, bin ich viel zu ungeduldig. Mein Schwachpunkt sind, Ihr wisst es, nur die Pflanzen.

So war ich Freitag früh aus Gründen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, ziemlich deprimiert. Und ausgerechnet da flackerte auf meinem Bildschirm die Werbe-Mail einer Berliner Blumenzwiebelfirma auf: Man habe, so wurde ich informiert, sämtliche verbliebenen Lilien des Sortiments um 50 Prozent reduziert. Nachdem ich im Vorjahr erstaunlich gute Erfahrungen mit zwei total überlagerten Lilienzwiebeln aus dem Baumarkt für 99 Cent gemacht hatte (das Resultat ist im Kopf dieses Blogs zu bewundern), gab es da kein Halten. Leider war der Mindestbestellwert mitnichten reduziert, so dass man nicht sagen kann, dass ich Geld gespart hätte. Im Gegenteil.

Zu den Waffen!

Montag, 02. Februar 2009

Eigentlich dachte ich ja, unsere Nachbarschaft bestünde ausschließlich aus freiberufelnden Yuppies (spießig) und jungen Familien (auch spießig). Aber ich habe mich getäuscht: Auch hinter Natursteinfassaden haust mitunter ein revolutionärer Geist. Und manch ehrbare Mutter, die nachmittags ihre Kinder zum Chorsingen chauffiert, greift bei Einbruch der Dämmerung zur Waffe, um die Welt zu verbessern. Nein, keine AK-47. Sondern Schaufel und Gießkanne.

Wenn es irgendeinen Zweifel geben kann, dass Guerilla Gardening allmählich zum Breitensport wird, so dürfte das Beispiel A. ihn ausräumen. A., katholisch, Mutter dreier reizender Töchter, eröffnete mir neulich, sie habe gemeinsam mit der Mutter von Nachbarin M. ein paar hundert Blumenzwiebeln im Grünstreifen vor ihrer Häuserreihe vergraben. Hunderte Blumen-zwiebeln! Das hat mir imponiert.

Der steinerne Garten

Montag, 08. Dezember 2008

Über den ehemaligen Berliner Senatsbaudirektor Hans Stimmann alias “Der Steinerne” (Tagesspiegel) ist schon viel geschimpft worden, und eigentlich ist es undankbar, wenn ich in den Chor einstimme: Schließlich würde es das Viertel, in dem ich wohne, ohne diesen Herrn wohl nicht geben. Andererseits habe ich Stimmann auf Diskussionsveranstaltungen als Buchsbaum-Nostalgiker erlebt, der sentimental von Vorgärten im viktorianischen Stil schwärmte. Doch hat er verhindert, dass praktisch alle Vorgärten in unserer Nachbarschaft zu Kfz-Stellplätzen umgewidmet wurden? Von wegen.