Archiv für die Kategorie ‘Pflanzen’

Naturnahe Rosen

Freitag, 13. August 2010

Gerade hatte ich das Vergnügen, für ein Naturgarten-Special von “Flora” wieder einmal mit Reinhard Witt zu reden, dem Pionier der deutschen Naturgarten-Bewegung und Gründer des Vereins “Naturgarten eV“. Vor Jahren hatte ich seinen Garten, damals für einen Artikel im Greenpeace-Magazin, besucht und war fasziniert wie Alice im Wunderland.

Nun ist Reinhard Witt ein ziemlich strenger Apologet heimischer Wildpflanzen und würde über meine Staudenbeete, in denen derzeit Duftnesseln und Wasserdost aus der amerikanischen Prärie dominieren, sicher die Nase rümpfen. In unseren Zielen und der Liebe zur Natur im Garten stimmen wir dennoch überein, und ich muss zugeben, dass heimische Wildpflanzen es an Pracht durchaus mit allerlei Gartenhybriden aufnehmen können: Star meines Gartens im Frühsommer war eine übermannshohe schlichte Malve (Malva sylvestris), die ich als Sämling aus dem Garten eines Ferienhauses in Mecklenburg mitgebracht hatte.

Party Crasher

Donnerstag, 15. Juli 2010

Erinnert Ihr Euch an die schrille Blonde, die es ohne Einladung auf Obamas Empfang im Weißen Haus geschafft hat? Ebenso rätselhaft ist für mich das Auftauchen einiger Gäste in meinen Beeten. Wohlgemerkt, ich rede nicht von Unkräutern, sondern von ausgewiesenen Gartengewächsen, die ich jedoch weder gesät noch gepflanzt noch sonstwie wissentlich eingebracht habe. Auch auf den ja eher trostlosen Nachbargrundstücken kommen sie definitiv nicht vor.

Da waren zum Beipiel die seltsamen Halme, die mir schon letztes Jahr auffielen, weil sie irgendwie nicht unkrautig aussahen. Vielmehr erinnerten sie mich vage an jene Tradescantien, die meine Oma vor Urzeiten aus Teneriffa mitgebracht hatte. Ich ließ das Pflänzchen also stehen und vergaß es. Dieses Jahr war es wieder da und kräftig gewachsen. Und siehe da: Ich lag richtig. Es handelt sich tatsächlich um eine Tradescantie, natürlich keine dieser aus der Mode gekommenen violetten Blattpflanzen für die Fensterbank, sondern um eine Gartenhybride mit lila Blüten.

Teamspieler

Montag, 05. Juli 2010

Die Fußball-WM zeigt es überdeutlich: Die Stars allein bringen es nicht - wenn überhaupt. Um zur Geltung zu kommen, brauchen sie ein funktionierendes Team, und mitunter entpuppen sich solide, aber stets übersehene Teamspieler als die eigentlichen Stars auf dem Rasen. Arne Friedrich, zum Beispiel.

Genauso geht es den floralen Akteuren im (bei mir ja ganz und gar rasenfreien) Garten. Frauenmantel? Igitt, wie gewöhnlich! Den hat doch wirklich jeder! Und ich sage Euch: Zum Glück! Denn Alchemilla mollis (meinetwegen auch A. erythropoda) ist schlicht und einfach eine Schönheit, ganz gleich, ob man ihre grüngelben Schleier aus der Ferne genießt oder die eigentümlichen Sternchenblüten aus der Nähe betrachtet.  Und diese Staude wächst nur deshalb überall, weil sie eben so robust, zuverlässig, absolut zickenfrei und obendrein schneckenfest ist. Ich glaube, ich habe noch nie einen Schädling auf Alchemilla gesehen.

Rote Hähne, weiße Lilien

Freitag, 02. Juli 2010

Wenn der “rote Hahn” auf dem Dach sitzt, ist das seit alters her ein Fall für die Feuerwehr. Im Garten verhält es sich nicht anders: Wenn das lackrote Lilienhähnchen in Erscheinung tritt, muss man handeln. Schnell.

Leicht fällt das nicht, denn das Lilienhähnchen ist so ziemlich der hübscheste Käfer, den ich kenne. Trotzdem darf man keine Gnade walten lassen. Denn nicht nur nagt das Krabbeltier selbst an Lilienblättern, sondern, schlimmer noch, es hinterlässt viele, viele orangefarbene Eierchen, aus denen sehr, sehr hungrige Maden schlüpfen. Beginnt man nicht spätetens jetzt mit regelmäßigen Razzien, ist es um die Lilie geschehen.

Ein paar Impressionen

Mittwoch, 09. Juni 2010

Ich hätte gedacht, dass der Garten in einem Blütenfeuerwerk explodiert, jetzt, wo es nach all dem Regen plötzlich so warm geworden ist. Aber nichts da, alles geht nach wie vor quälend langsam voran. Ich vermute, dass die plötzliche Hitze und sengende Sonne die Pflanzen stresst - so, wie wir Kreislaufbeschwerden  und Sonnenbrand bekommen, wenn es plötzlich sehr warm wird.

So blüht es allenthalben nur verhalten, und die Gallica-Rose “Charles de Mills” spannt mich seit Tagen auf die Folter, so langsam entrollt sie ihre erste Blüte. Spektakulär dafür der Türkenmohn “Patty’s Plum”, den ich ja schon letztes Jahr gelobt habe. Nun aber haben sich sieben oder acht Blüten gleichzeitig geöffnet - das macht “Patty” zum derzeit alles überstrahlenden Star des Gartens.

Sitzen unterm Hollerbusch…

Montag, 07. Juni 2010

Wer Kinder hat, kennt garantiert das weitgehend sinnfreie Liedchen mit dem “husch. husch, husch”-Refrain. Es handelt sich nicht unbedingt um einen Höhepunkt deutscher Sangeskultur, zeigt aber, wie sehr der Holunder in der Volksseele verwurzelt ist. In manchen Gegenden glaubte man, der Hausgeist wohne im Holler, und es soll sogar üblich gewesen sein, den Hut zu lüften, wenn man an diesem Strauch vorüberging. Hausgeister sind nämlich launisch, und man sollte sie besser nicht ärgern.

Und nun ein Bekenntnis (nein, ich glaube nicht an Geister): Wenn ich in meinem Garten nur Platz für ein einziges Gehölz hätte, es wäre der Holunder. Ja, dieser ganz gewöhnliche Strauch, der an jeder Straßenecke steht und noch in der kleinsten Ritze wurzelt.

Von der Geduld

Montag, 24. Mai 2010

Klar, dass Geduld die wichtigste Tugend des Gärtners ist. Oder nicht? In englischen Gartenbüchern findet man mindestens so häufig den Ratschlag, sich nicht zu lange mit kümmernden Pflanzen abzugeben. Was nicht wachsen will, soll willigeren Gewächsen weichen. “Be ruthless”, lautet die Devise.

Irgendwo zwischen diesen Polen trudelt wohl ein jeder Gärtner. Ich selbst neige eher dem ersten zu, aber nicht so sehr aus Gelassenheit. Das Etikett “Geduldsmensch” kann ich mir nicht wirklich anheften. Eher habe ich zu viele andere Dinge zu tun, als dass ich mich durchringen könnte, endlich diese oder jene enttäuschende Pflanze umzusetzen. Was heißt umsetzen – dazu müsste ich ja Platz haben. Und natürlich hasse ich es, lebende Pflanzen dem Kompost zu überantworten. Auch da stehe ich übrigens mittlerweile vor einem Platzproblem: Das Silo ist randvoll…

Ein Hauch von Hysterie

Donnerstag, 13. Mai 2010

Gut, dass ich derzeit kaum vom Schreibtisch wegkomme, sonst würde mich der ausbleibende Frühling schwer frustrieren. Immerhin konserviert das kühle Wetter die meisten Blüten: Wo die Camassias letztes Jahrbinnen Tagen verwelkt waren, zeigen sie nun schon eine ganze Weile ihre zartblauen Sternchenblüten, die gut mit den blassrosa, gefüllten Tulpen “Angélique” harmonieren. Auch sie und andere späte Tulpen bleiben taufrisch.

Verwelkt ist allerdings nun der letzte Strauß  ”Prinses Irene” auf meinem Schreibtisch, ebenfalls eine meiner Tulpen-Favoritinnen, Nicht nur, weil meine jüngere Tochter auch Irene heißt (allerdings keine Prinzessin, sondern eine Diktatorin ist), sondern auch wegen ihrer ungewöhnlichen Färbung: leuchtend orange und außen mit violetten Flammen überhaucht. Ein fantastischer Komplementär-kontrast. Im Garten kann ich die Prinzessin allerdings nirgendwo vernünftig kombinieren, deshalb pflanze ich sie als Schnittblume im Gemüsebeet - was für ein Luxus!

Das Mysterium der Tulpen

Donnerstag, 22. April 2010

Eigentlich assoziiert man Tulpen ja mit Holland. Was seltsam ist: Die Zwiebelgewächse gehören überhaupt nicht in ein feucht-mildes, maritimes Klima, sondern sind in sommerheißen und dann knochentrockenen Regionen Zentralasiens, des Iran und der Türkei zuhause. Also kein Wunder, dass sie bei mir prima klarkommen.

Überhaupt, vergesst Haarlem, Amsterdam & Co.: Die wahre Tulpenstadt ist Berlin, nicht zuletzt wegen des “Tulipan”-Festivals im Britzer Garten, von dem ich hier ja schon einmal geschwärmt habe. Und im Brandenburger Quasi-Steppenklima scheinen sich die Tulpen auch viel besser zu halten, als die Gartenratgeber gemeinhin unken. So gesteht der britische Gartendesigner  und Guardian-Kolumnist Dan Pearson, die meisten seiner Tulpenzwiebeln nach der ersten Blüte auf den Kompost zu befördern. Sollen sie nochmals blühen, müsste man sie ausgraben und trocken aufbewahren.

Hilfe, Topinambur!

Donnerstag, 15. April 2010

Es gibt Gemüse, das vorzüglich schmeckt, aber trotzdem zum Alptraum werden kann. Topinambur zum Beispiel. Wer hat eigentlich behauptet, dass eine Staude durchschnittlich 12 bis 15 Knollen produziert, wie in Gartenbüchern zu lesen ist? Ich habe gestern die zweite meiner beiden Pflanzen gerodet und einen ganzen Eimer voller Knollen in den Keller geschleppt. Was um alle Welt soll ich damit anstellen? Im Kühlschrank gammelt noch mindestens ein Kilo Knollen der ersten Staude vor sich hin.

Mein Repertoire an Topinambur-Rezepten ist doch recht begrenzt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Knollen in größeren Mengen vertilgt nicht so gut verdaulich sind – der darin enthaltene Zucker Inulin macht Blähungen. Trotzdem, wer leckere Rezepte kennt - her damit!