Archiv für die Kategorie ‘Pflanzen’

Asiatica

Donnerstag, 14. Januar 2010

Garten? Welcher Garten? Hinter dem Haus erstreckt sich nichts als ein Schneefeld, aus dem verdorrte Stängel und kahle Zweige ragen. Trost spendet da nur eine kleine Plantage in meinem Arbeitszimmer. Dort sprießen aus einer Reihe Töpfe am Fenster ein paar Stecklinge und Halme. Ehrlich gesagt, sehen sie ziemlich armselig aus. Trotzdem setze ich große – nicht zuletzt kulinarische – Hoffnungen in die Pflänzchen.

Immer mal wieder hatte ich gelesen, dass man Zitronengrashalme aus dem Asien-Laden in einem Glas Wasser bewurzeln könne; ganz daran geglaubt habe ich nicht. Schließlich lagern sie da unbestimmte Zeit im Kühlschrank. Trotzdem habe ich es ausprobiert. Erst tat sich wochenlang nichts, bis schließlich das äußere Blatt zu vertrocknen begann. Ich riss es ab, stellte den Halm zurück ins Wasser, und siehe da! – an der Bruchstelle sprossen binnen Tagen Wurzeln. Ich wiederholte die Behandlung bei einem zweiten Halm, mit demselben Ergebnis. Inzwischen haben sich schon neue Blätter an der Pflanzenbasis gebildet.

Pretty Patricia

Freitag, 27. November 2009

Nun hat die Zeit begonnen, da man die blühenden Pflanzen draußen an den Fingern einer Hand abzählen kann. Nur mein Vorgarten erlebt seinen unzeitgemäßen Blütenrausch mit den beiden notorischen Chrysanthemen, die, wie ich schon geahnt habe, weder in Form noch Farbe harmonieren. Aber was soll’s, Ende November sollte man über jede Blüte dankbar sein und nicht zu viel Wert auf gärtnerisches Chichi legen.

Im Innenhof dagegen dominiert längst das spätherbstliche gelb-braun. Nur die Dahlie “Faszination” zeigt bislang keine Ermüdungserscheinungen, allenfalls sind ihre pinkfarbenen Blüten ein wenig kleiner und blasser geworden. Die ersten Blüten des Duftschneeballs (Viburnum farreri) haben sich geöffnet; ich will dieses Jahr ein paar Zweige für die Vase opfern, damit ich den zarten Vanilleduft endlich richtig genießen kann. Draußen in der Kälte spürt man ihn nämlich kaum.

Faux-pas im Staudenbeet

Montag, 09. November 2009

Welcher Gärtner träumt nicht von einer klassischen Staudenrabatte in raffinierten, fein abgestuften Farbkombinationen? Oder ganz in weiß wie Vita Sackville-Wests berühmte Kreation im Garten von Sissinghurst? Tja, wenn das mal so einfach wäre. In der Praxis stößt man nämlich auf allerlei Hindernisse, an denen die wohldurchdachten Pflanzpläne scheitern.

Da ist zum einen das Klima, das im Sommer deutlich heißer und trockener ist als im Mutterland der Gartenkunst, Großbritannien. Während dort die Stauden bei kühl-feuchter Witterung ihre Blüten hinreichend lange erstrahlen lassen, welken sie bei uns viel schneller dahin. Die Folge: Sorgsam arrangierte Blumenpaare verpassen ihr Rendez-vous.

Buntes Treiben

Freitag, 30. Oktober 2009

Als ich gestern den Briefkasten leeren wollte, fand ich auf der Schwelle ein sattgelbes, perfekt geformtes Ahornblatt. Es war, als habe es mir jemand als Gruß vor die Tür gelegt, der Herbst persönlich vielleicht.

Viele Menschen stimmt er ja depressiv, doch ich liebe diese Jahreszeit trotz Nieselregen, Dunkelheit und relativer Blütenarmut sehr. Denn was braucht es Blumen, wenn das Herbstlaub für einen Farbenrausch ohnegleichen sorgt? Zu keiner anderen Zeit trägt die Natur ihre Farben so großflächig, mit so expressiv-dickem Pinselstrich auf. Bei Indian Summer denkt man ja automatisch an Bäume, doch in meinem Garten, der in diesen Tagen genau drei Jahre alt wird, sind die Gehölze naturgemäß noch klein. Überhaupt dürfte in den wenigsten Stadtgärten Platz für einen ausgewachsenen Ahorn, einen Amberbaum oder gar eine Buche sein.

Sind wir reif für die Steppe?

Dienstag, 13. Oktober 2009

Diese Frage stellte die Wiener Landschaftsökologin Sabine Plenk auf der Tagung “Gräser und Wiesen im öffentlichen Raum” an der TU Berlin, die ich am Wochenende besucht habe. Ihr seht, ich gehe das Gärtnern jetzt sogar wissenschaftlich an, allerdings ist die Kunde der Pflanzenverwendung ja auch zugänglicher als der Kram, mit dem ich mich während meines Maschinenbaustudiums herumgeschlagen habe.

Die Steppe interessiert die Landschaftsplaner derzeit so brennend, weil ihre Pflanzen robust und trockenheitsverträglich sind, so dass sie sich für Grünflächen in der Großstadt perfekt eignen - gerade in Hinblick auf den Klimawandel und die Dürreperioden, die uns in den nächsten Jahrzehnten bevorstehen. Pflanzen der osteuropäischen Steppe wie Adonisröschen, Küchenschelle, diverse Nelken und Iris sowie Gräser sind nicht nur pflegeleicht - und schonen damit die kommunalen Kassen - sondern auch schön.

Nektar und Ambrosia

Donnerstag, 24. September 2009

Die Sonne hat sich verabschiedet, nur der Kürbis, der sich auf die Eibenhecke von Nachbar Th. geschwungen hat, bekommt derzeit noch ein paar Strahlen ab. Trotzdem besuchen noch immer viele Bienen und auch gelegentlich der eine oder andere Schmetterling meinen Garten. Und, weniger willkommen, jede Menge Wespen, die offenbar magisch von den eigentümlich riechenden Silberkerzen (Cimicifuga) angezogen werden.

Öko-Gärtner setzen sich ja oft vehement für einheimische Pflanzen ein und neigen mitunter dazu, Gartenzüchtungen oder Gewächse anderer Kontinente zu verdammen. Nach meinen Beobachtungen zeigen Bienen, Hummeln & Co. jedoch keineswegs eine Präferenz für die mitteleuropäische Flora. Im Gegenteil: Um diese Jahreszeit blüht ja kaum noch eine einheimische Blume. Doch unverdrossen tummeln sich die Nektarsammlerinnen in meinem Staudenbeet, wo nun vor allem amerikanische Präriestauden noch Farbe zeigen.

Septemberdüfte

Donnerstag, 17. September 2009

Der Sommer ist definitiv vorbei. Immer kürzer scheint die Sonne in meinen Garten, und von Tag zu Tag wird der Streifen schmaler, den sie mit ihrem Strahlen streift. Eine gewisse Hektik breitet sich aus: Wie viele Tomaten werden noch erröten, bis ich die letzten grünen Früchte zum Nachreifen ins Haus holen muss? Schaffen es die beiden kleinen Kürbisse noch, auf Ernteformat anzuschwellen? Und wird wirklich nur eine einzige Paprika vollreif-rot durchs Ziel gehen?

Vergesst Spinat!

Mittwoch, 19. August 2009

Die letzten Salatblätter sind bald gepflückt (aus Platzgründen wird es bei mir leider nie etwas aus den monatlichen Folgesaaten), doch nun reift endlich die Haupternte im Gemüsebeet heran. Lange genug hat es dieses Jahr gedauert - wohl eine Folge des kühlen Frühlings.

Wenn ich ehrlich sein soll, ist die heimische Gemüseanzucht natürlich ein Zuschussgeschäft: So billig wie das Zeug vom Discounter kann keine im Hausgarten gehegte und gepflegte Zucchini oder Tomate je sein. Und wenn ich noch ehrlicher sein soll, schmeckt das frisch im Beet geerntete Gemüse zwar oft, aber nicht immer besser als gekaufte Ware - schon allein deshalb, weil es immer eine vertrackte Sache ist, den richtigen Erntezeitpunkt abzupassen.

Die Wundertüte

Donnerstag, 13. August 2009

Der größte Luxus im Garten ist es für mich, Blumen für die Vase zu schneiden – etwas, vor dem ich früher immer zurückgeschreckt bin. Jede Blume im Garten war mir heilig, sie zu pflücken, ein Sakrileg. Allmählich aber ändere ich meine Einstellung. Denn zum einen verbringe ich (leider) doch substanziell mehr Zeit am Schreibtisch als im Garten, und eine Blüte in meinem Büro habe ich demnach länger vor Augen als ihre Schwester im Beet. 

Der kleine Horrorgarten

Freitag, 07. August 2009

Kennt Ihr das Gefühl, aus dem Urlaub zurückzukommen und ein fremdartiges, bedrohliches Dickicht wiederzufinden? So ging es mir, als ich letzten Sonntag mit einem flauen Gefühl im Magen zur Bestandsaufnahme im Garten schritt. Alles in allem waren keine tragischen Ausfälle zu verzeichnen, obgleich unsere Gießbeauftragte stellenweise mit dem Wasser gegeizt hatte, so dass der Dschungel mehr gelb als grün ausfiel. 

Andere Gewächse hingegen hatten mehr Feuchtigkeit abbekommen und in den zwei Wochen auf beängstigende Weise zugelegt. Allen voran ein Butternut-Kürbis, herangezogen aus einem harmlosen Samen, den ich mal beim Kochen beiseitegelegt hatte. War er vor dem Urlaub noch ein bescheidenes Pflänzchen gewesen, so entwickelte er sich in meiner Abwesenheit zum Würger: Nicht nur rankte er das halbe Salatbeet zu, sondern ergriff mit seinen Rankorganen, die in Form und Festigkeit handelsüblichen Korkenziehern gleichen, junge Brokkolilpflanzen und erdrosselte sie nach allen Regeln der Kunst. Drei Tote.