Archiv für die Kategorie ‘Pflanzen’

Frust und Freuden

Dienstag, 13. April 2010

Auch wenn man sich nicht selbst loben soll, so muss ich sagen, dass ich von meinem Vorgarten derzeit wirklich entzückt bin. Manchmal gelingt im Garten ja doch etwas, eine perfekte Kombination, die all die fehlgeschlagenen Versuche, die sich nicht manifestierenden Fantasien vergessen lässt. Und oft sind diese Pflanzungen weniger ein Produkt der Planung als des Zufalls…

Bei mir zumindest waren ein paar spontane, voneinander unabhängige Entscheidungen ausschlaggebend: das Stehenlassen der verdorrten Grasbüschel sowie der zwanghafte Kauf billiger Narzissen- und Tulpenzwiebeln, die ich dort verscharrte (pflanzen kann man das gar nicht nennen), wo sich im Herbst noch ein paar freie Quadratzentimeter fanden. Die Erde war seinerzeit so trocken und hart, und ich setzte die Zwiebeln entsprechend flach, dass ich ihnen wenig Chancen gab. Weit gefehlt! Gelbe Narzissen, gelbes Steinkraut (noch so ein Spontankauf) und orangerote botanische Tulpen, deren Namen ich nicht mehr weiß, weil ich das Etikett verbummelt habe, bilden zusammen mit den bleichen Grashalmen ein wunderbar harmonisches und zugleich ungewöhnliches Bild.

Der Frühling ist da!

Donnerstag, 08. April 2010

Jetzt auch in Berlin, Tusch, Fanfare: der FRÜHLING! Tagestemperaturen ÜBER 15 GRAD! WAHNSINN! Nach so langer Entbehrung begeistert mich jede Christrose, jede Osterglocke umso mehr, und ich vergesse fast, dass mein Garten so aussieht wie sonst Anfang oder Mitte März. Von den weißlich-grünen und morbid-mauvefarbenen Tönen der Christrosen abgesehen, dominiert bei mir im Moment ganz klar die umstrittene Farbe Gelb, insbesondere im Vorgarten. Dort werden die verschiedenen Discount-Osterglocken in den nächsten Tagen Verstärkung von Steinkraut (Alyssum) und Walzenwolfsmilch (Euphorbia myrsinites) erhalten.

Die Farbe Gelb

Freitag, 26. März 2010

In der letzten Zeit hatte ich das Vergnügen, für die Zeitschrift “Flora Garten” eine ganze Reihe Gärtnerinnen zu interviewen. Sie alle besitzen höchst geschmackvolle, der Öffentlichkeit zugängliche Gärten und verbringen viel Zeit mit der Komposition wunderschöner Pflanzungen. Was mich irritierte, war dieser Satz, der, in unterschiedlicher Formulierung, in diesen Gesprächen immer wieder fiel: “Gelb kann ich nicht ausstehen.” Entsprechend sind die allermeisten dieser Prachtgärten in dezentem weiß-rosa-violett-blau gehalten, mit dem gelegentlichen weinroten Akzent…

Die Geständnisse der Z.

Mittwoch, 17. März 2010

Nachdem ich in letzter Zeit ja nicht sehr präsent war, hier schon der zweite Eintrag in zwei Tagen. Aber langsam scheint es tatsächlich Frühling zu werden, und so, wie draußen die Säfte steigen, wächst bei mir die Lust, über das Gärtnern nachzudenken und zu plaudern. Und da mein Gatte immer so einen glasigen Blick bekommt, wenn ich das G-Thema anschneide, bleibt mir da nur der Blog.

Nachdem ich nun schon begonnen habe, Geständnisse zu machen, kann ich ja gleich fortfahren. Und zum Beispiel verraten, dass ich heute für meinen aus allen Nähten platzenden Garten wieder ein Päckchen Stauden bestellt habe. Ich will nämlich meinen Vorgarten umgestalten, statt der unter der Trockenheit leidenden Präriestauden sollen Färberkamille (Anthemis), Palisaden-Wolfsmilch (Euphorbia x characias) und eine exquisite cremegelbe Fackellilie (Kniphofia “Vanilla”) einziehen.

Rosen-Roulette

Dienstag, 16. März 2010

Seit einiger Zeit rätsele ich bei meinen Einkaufstouren im politisch unkorrekten Discounter schon über die Rosen, die da für 95 Cent zu haben sind. Zum Beispiel wird eine mysteriöse gelbe Kletterrose namens “A. Meilland” angepriesen. Eine kleine Netzrecherche ergab, dass eine Rose namens “Mme. A. Meilland” zwar existiert, deren weitaus geläufigerer Name jedoch “Gloria Dei” lautet. Dieser Klassiker aber ist nicht nur keine richtige Kletterrose, sondern auch keineswegs so knallgelb wie auf der Kartonage abgebildet.

Urzeit-Garten

Mittwoch, 24. Februar 2010

In letzter Zeit habe ich mich beim Bloggen ja etwas zurückgehalten, und das lag nicht nur am Schnee. Es hatte auch mit Dinosauriern zu tun. Über deren Evolution habe ich für ein Magazin gerade einen Artikel geschrieben und bin dabei so sehr dem Dino-Fieber verfallen wie zuletzt mit acht Jahren, als ich noch Paläontologin werden wollte. Dank an dieser Stelle an Heinrich Mallison vom Berliner Naturkunde-Museum, der mich bis in den Knochenkeller seines Hauses führte, wo auf Lagerregalen die Relikte der Urzeitviecher vor sich hin stauben. Hat jemand schon einmal die Klaue eines Sauriers in der Hand gehalten, der vor 200 Millionen Jahren gelebt hat? Ein eigenartiges Gefühl.

Asiatica

Donnerstag, 14. Januar 2010

Garten? Welcher Garten? Hinter dem Haus erstreckt sich nichts als ein Schneefeld, aus dem verdorrte Stängel und kahle Zweige ragen. Trost spendet da nur eine kleine Plantage in meinem Arbeitszimmer. Dort sprießen aus einer Reihe Töpfe am Fenster ein paar Stecklinge und Halme. Ehrlich gesagt, sehen sie ziemlich armselig aus. Trotzdem setze ich große – nicht zuletzt kulinarische – Hoffnungen in die Pflänzchen.

Immer mal wieder hatte ich gelesen, dass man Zitronengrashalme aus dem Asien-Laden in einem Glas Wasser bewurzeln könne; ganz daran geglaubt habe ich nicht. Schließlich lagern sie da unbestimmte Zeit im Kühlschrank. Trotzdem habe ich es ausprobiert. Erst tat sich wochenlang nichts, bis schließlich das äußere Blatt zu vertrocknen begann. Ich riss es ab, stellte den Halm zurück ins Wasser, und siehe da! – an der Bruchstelle sprossen binnen Tagen Wurzeln. Ich wiederholte die Behandlung bei einem zweiten Halm, mit demselben Ergebnis. Inzwischen haben sich schon neue Blätter an der Pflanzenbasis gebildet.

Pretty Patricia

Freitag, 27. November 2009

Nun hat die Zeit begonnen, da man die blühenden Pflanzen draußen an den Fingern einer Hand abzählen kann. Nur mein Vorgarten erlebt seinen unzeitgemäßen Blütenrausch mit den beiden notorischen Chrysanthemen, die, wie ich schon geahnt habe, weder in Form noch Farbe harmonieren. Aber was soll’s, Ende November sollte man über jede Blüte dankbar sein und nicht zu viel Wert auf gärtnerisches Chichi legen.

Im Innenhof dagegen dominiert längst das spätherbstliche gelb-braun. Nur die Dahlie “Faszination” zeigt bislang keine Ermüdungserscheinungen, allenfalls sind ihre pinkfarbenen Blüten ein wenig kleiner und blasser geworden. Die ersten Blüten des Duftschneeballs (Viburnum farreri) haben sich geöffnet; ich will dieses Jahr ein paar Zweige für die Vase opfern, damit ich den zarten Vanilleduft endlich richtig genießen kann. Draußen in der Kälte spürt man ihn nämlich kaum.

Faux-pas im Staudenbeet

Montag, 09. November 2009

Welcher Gärtner träumt nicht von einer klassischen Staudenrabatte in raffinierten, fein abgestuften Farbkombinationen? Oder ganz in weiß wie Vita Sackville-Wests berühmte Kreation im Garten von Sissinghurst? Tja, wenn das mal so einfach wäre. In der Praxis stößt man nämlich auf allerlei Hindernisse, an denen die wohldurchdachten Pflanzpläne scheitern.

Da ist zum einen das Klima, das im Sommer deutlich heißer und trockener ist als im Mutterland der Gartenkunst, Großbritannien. Während dort die Stauden bei kühl-feuchter Witterung ihre Blüten hinreichend lange erstrahlen lassen, welken sie bei uns viel schneller dahin. Die Folge: Sorgsam arrangierte Blumenpaare verpassen ihr Rendez-vous.

Buntes Treiben

Freitag, 30. Oktober 2009

Als ich gestern den Briefkasten leeren wollte, fand ich auf der Schwelle ein sattgelbes, perfekt geformtes Ahornblatt. Es war, als habe es mir jemand als Gruß vor die Tür gelegt, der Herbst persönlich vielleicht.

Viele Menschen stimmt er ja depressiv, doch ich liebe diese Jahreszeit trotz Nieselregen, Dunkelheit und relativer Blütenarmut sehr. Denn was braucht es Blumen, wenn das Herbstlaub für einen Farbenrausch ohnegleichen sorgt? Zu keiner anderen Zeit trägt die Natur ihre Farben so großflächig, mit so expressiv-dickem Pinselstrich auf. Bei Indian Summer denkt man ja automatisch an Bäume, doch in meinem Garten, der in diesen Tagen genau drei Jahre alt wird, sind die Gehölze naturgemäß noch klein. Überhaupt dürfte in den wenigsten Stadtgärten Platz für einen ausgewachsenen Ahorn, einen Amberbaum oder gar eine Buche sein.