Archiv für die Kategorie ‘Pflanzen’

Das Mysterium der Tulpen

Donnerstag, 22. April 2010

Eigentlich assoziiert man Tulpen ja mit Holland. Was seltsam ist: Die Zwiebelgewächse gehören überhaupt nicht in ein feucht-mildes, maritimes Klima, sondern sind in sommerheißen und dann knochentrockenen Regionen Zentralasiens, des Iran und der Türkei zuhause. Also kein Wunder, dass sie bei mir prima klarkommen.

Überhaupt, vergesst Haarlem, Amsterdam & Co.: Die wahre Tulpenstadt ist Berlin, nicht zuletzt wegen des “Tulipan”-Festivals im Britzer Garten, von dem ich hier ja schon einmal geschwärmt habe. Und im Brandenburger Quasi-Steppenklima scheinen sich die Tulpen auch viel besser zu halten, als die Gartenratgeber gemeinhin unken. So gesteht der britische Gartendesigner  und Guardian-Kolumnist Dan Pearson, die meisten seiner Tulpenzwiebeln nach der ersten Blüte auf den Kompost zu befördern. Sollen sie nochmals blühen, müsste man sie ausgraben und trocken aufbewahren.

Hilfe, Topinambur!

Donnerstag, 15. April 2010

Es gibt Gemüse, das vorzüglich schmeckt, aber trotzdem zum Alptraum werden kann. Topinambur zum Beispiel. Wer hat eigentlich behauptet, dass eine Staude durchschnittlich 12 bis 15 Knollen produziert, wie in Gartenbüchern zu lesen ist? Ich habe gestern die zweite meiner beiden Pflanzen gerodet und einen ganzen Eimer voller Knollen in den Keller geschleppt. Was um alle Welt soll ich damit anstellen? Im Kühlschrank gammelt noch mindestens ein Kilo Knollen der ersten Staude vor sich hin.

Mein Repertoire an Topinambur-Rezepten ist doch recht begrenzt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Knollen in größeren Mengen vertilgt nicht so gut verdaulich sind – der darin enthaltene Zucker Inulin macht Blähungen. Trotzdem, wer leckere Rezepte kennt - her damit!

Frust und Freuden

Dienstag, 13. April 2010

Auch wenn man sich nicht selbst loben soll, so muss ich sagen, dass ich von meinem Vorgarten derzeit wirklich entzückt bin. Manchmal gelingt im Garten ja doch etwas, eine perfekte Kombination, die all die fehlgeschlagenen Versuche, die sich nicht manifestierenden Fantasien vergessen lässt. Und oft sind diese Pflanzungen weniger ein Produkt der Planung als des Zufalls…

Bei mir zumindest waren ein paar spontane, voneinander unabhängige Entscheidungen ausschlaggebend: das Stehenlassen der verdorrten Grasbüschel sowie der zwanghafte Kauf billiger Narzissen- und Tulpenzwiebeln, die ich dort verscharrte (pflanzen kann man das gar nicht nennen), wo sich im Herbst noch ein paar freie Quadratzentimeter fanden. Die Erde war seinerzeit so trocken und hart, und ich setzte die Zwiebeln entsprechend flach, dass ich ihnen wenig Chancen gab. Weit gefehlt! Gelbe Narzissen, gelbes Steinkraut (noch so ein Spontankauf) und orangerote botanische Tulpen, deren Namen ich nicht mehr weiß, weil ich das Etikett verbummelt habe, bilden zusammen mit den bleichen Grashalmen ein wunderbar harmonisches und zugleich ungewöhnliches Bild.

Der Frühling ist da!

Donnerstag, 08. April 2010

Jetzt auch in Berlin, Tusch, Fanfare: der FRÜHLING! Tagestemperaturen ÜBER 15 GRAD! WAHNSINN! Nach so langer Entbehrung begeistert mich jede Christrose, jede Osterglocke umso mehr, und ich vergesse fast, dass mein Garten so aussieht wie sonst Anfang oder Mitte März. Von den weißlich-grünen und morbid-mauvefarbenen Tönen der Christrosen abgesehen, dominiert bei mir im Moment ganz klar die umstrittene Farbe Gelb, insbesondere im Vorgarten. Dort werden die verschiedenen Discount-Osterglocken in den nächsten Tagen Verstärkung von Steinkraut (Alyssum) und Walzenwolfsmilch (Euphorbia myrsinites) erhalten.

Die Farbe Gelb

Freitag, 26. März 2010

In der letzten Zeit hatte ich das Vergnügen, für die Zeitschrift “Flora Garten” eine ganze Reihe Gärtnerinnen zu interviewen. Sie alle besitzen höchst geschmackvolle, der Öffentlichkeit zugängliche Gärten und verbringen viel Zeit mit der Komposition wunderschöner Pflanzungen. Was mich irritierte, war dieser Satz, der, in unterschiedlicher Formulierung, in diesen Gesprächen immer wieder fiel: “Gelb kann ich nicht ausstehen.” Entsprechend sind die allermeisten dieser Prachtgärten in dezentem weiß-rosa-violett-blau gehalten, mit dem gelegentlichen weinroten Akzent…

Die Geständnisse der Z.

Mittwoch, 17. März 2010

Nachdem ich in letzter Zeit ja nicht sehr präsent war, hier schon der zweite Eintrag in zwei Tagen. Aber langsam scheint es tatsächlich Frühling zu werden, und so, wie draußen die Säfte steigen, wächst bei mir die Lust, über das Gärtnern nachzudenken und zu plaudern. Und da mein Gatte immer so einen glasigen Blick bekommt, wenn ich das G-Thema anschneide, bleibt mir da nur der Blog.

Nachdem ich nun schon begonnen habe, Geständnisse zu machen, kann ich ja gleich fortfahren. Und zum Beispiel verraten, dass ich heute für meinen aus allen Nähten platzenden Garten wieder ein Päckchen Stauden bestellt habe. Ich will nämlich meinen Vorgarten umgestalten, statt der unter der Trockenheit leidenden Präriestauden sollen Färberkamille (Anthemis), Palisaden-Wolfsmilch (Euphorbia x characias) und eine exquisite cremegelbe Fackellilie (Kniphofia “Vanilla”) einziehen.

Rosen-Roulette

Dienstag, 16. März 2010

Seit einiger Zeit rätsele ich bei meinen Einkaufstouren im politisch unkorrekten Discounter schon über die Rosen, die da für 95 Cent zu haben sind. Zum Beispiel wird eine mysteriöse gelbe Kletterrose namens “A. Meilland” angepriesen. Eine kleine Netzrecherche ergab, dass eine Rose namens “Mme. A. Meilland” zwar existiert, deren weitaus geläufigerer Name jedoch “Gloria Dei” lautet. Dieser Klassiker aber ist nicht nur keine richtige Kletterrose, sondern auch keineswegs so knallgelb wie auf der Kartonage abgebildet.

Urzeit-Garten

Mittwoch, 24. Februar 2010

In letzter Zeit habe ich mich beim Bloggen ja etwas zurückgehalten, und das lag nicht nur am Schnee. Es hatte auch mit Dinosauriern zu tun. Über deren Evolution habe ich für ein Magazin gerade einen Artikel geschrieben und bin dabei so sehr dem Dino-Fieber verfallen wie zuletzt mit acht Jahren, als ich noch Paläontologin werden wollte. Dank an dieser Stelle an Heinrich Mallison vom Berliner Naturkunde-Museum, der mich bis in den Knochenkeller seines Hauses führte, wo auf Lagerregalen die Relikte der Urzeitviecher vor sich hin stauben. Hat jemand schon einmal die Klaue eines Sauriers in der Hand gehalten, der vor 200 Millionen Jahren gelebt hat? Ein eigenartiges Gefühl.

Asiatica

Donnerstag, 14. Januar 2010

Garten? Welcher Garten? Hinter dem Haus erstreckt sich nichts als ein Schneefeld, aus dem verdorrte Stängel und kahle Zweige ragen. Trost spendet da nur eine kleine Plantage in meinem Arbeitszimmer. Dort sprießen aus einer Reihe Töpfe am Fenster ein paar Stecklinge und Halme. Ehrlich gesagt, sehen sie ziemlich armselig aus. Trotzdem setze ich große – nicht zuletzt kulinarische – Hoffnungen in die Pflänzchen.

Immer mal wieder hatte ich gelesen, dass man Zitronengrashalme aus dem Asien-Laden in einem Glas Wasser bewurzeln könne; ganz daran geglaubt habe ich nicht. Schließlich lagern sie da unbestimmte Zeit im Kühlschrank. Trotzdem habe ich es ausprobiert. Erst tat sich wochenlang nichts, bis schließlich das äußere Blatt zu vertrocknen begann. Ich riss es ab, stellte den Halm zurück ins Wasser, und siehe da! – an der Bruchstelle sprossen binnen Tagen Wurzeln. Ich wiederholte die Behandlung bei einem zweiten Halm, mit demselben Ergebnis. Inzwischen haben sich schon neue Blätter an der Pflanzenbasis gebildet.

Pretty Patricia

Freitag, 27. November 2009

Nun hat die Zeit begonnen, da man die blühenden Pflanzen draußen an den Fingern einer Hand abzählen kann. Nur mein Vorgarten erlebt seinen unzeitgemäßen Blütenrausch mit den beiden notorischen Chrysanthemen, die, wie ich schon geahnt habe, weder in Form noch Farbe harmonieren. Aber was soll’s, Ende November sollte man über jede Blüte dankbar sein und nicht zu viel Wert auf gärtnerisches Chichi legen.

Im Innenhof dagegen dominiert längst das spätherbstliche gelb-braun. Nur die Dahlie “Faszination” zeigt bislang keine Ermüdungserscheinungen, allenfalls sind ihre pinkfarbenen Blüten ein wenig kleiner und blasser geworden. Die ersten Blüten des Duftschneeballs (Viburnum farreri) haben sich geöffnet; ich will dieses Jahr ein paar Zweige für die Vase opfern, damit ich den zarten Vanilleduft endlich richtig genießen kann. Draußen in der Kälte spürt man ihn nämlich kaum.