Archiv für die Kategorie ‘Pflanzen’

Faux-pas im Staudenbeet

Montag, 09. November 2009

Welcher Gärtner träumt nicht von einer klassischen Staudenrabatte in raffinierten, fein abgestuften Farbkombinationen? Oder ganz in weiß wie Vita Sackville-Wests berühmte Kreation im Garten von Sissinghurst? Tja, wenn das mal so einfach wäre. In der Praxis stößt man nämlich auf allerlei Hindernisse, an denen die wohldurchdachten Pflanzpläne scheitern.

Da ist zum einen das Klima, das im Sommer deutlich heißer und trockener ist als im Mutterland der Gartenkunst, Großbritannien. Während dort die Stauden bei kühl-feuchter Witterung ihre Blüten hinreichend lange erstrahlen lassen, welken sie bei uns viel schneller dahin. Die Folge: Sorgsam arrangierte Blumenpaare verpassen ihr Rendez-vous.

Buntes Treiben

Freitag, 30. Oktober 2009

Als ich gestern den Briefkasten leeren wollte, fand ich auf der Schwelle ein sattgelbes, perfekt geformtes Ahornblatt. Es war, als habe es mir jemand als Gruß vor die Tür gelegt, der Herbst persönlich vielleicht.

Viele Menschen stimmt er ja depressiv, doch ich liebe diese Jahreszeit trotz Nieselregen, Dunkelheit und relativer Blütenarmut sehr. Denn was braucht es Blumen, wenn das Herbstlaub für einen Farbenrausch ohnegleichen sorgt? Zu keiner anderen Zeit trägt die Natur ihre Farben so großflächig, mit so expressiv-dickem Pinselstrich auf. Bei Indian Summer denkt man ja automatisch an Bäume, doch in meinem Garten, der in diesen Tagen genau drei Jahre alt wird, sind die Gehölze naturgemäß noch klein. Überhaupt dürfte in den wenigsten Stadtgärten Platz für einen ausgewachsenen Ahorn, einen Amberbaum oder gar eine Buche sein.

Sind wir reif für die Steppe?

Dienstag, 13. Oktober 2009

Diese Frage stellte die Wiener Landschaftsökologin Sabine Plenk auf der Tagung “Gräser und Wiesen im öffentlichen Raum” an der TU Berlin, die ich am Wochenende besucht habe. Ihr seht, ich gehe das Gärtnern jetzt sogar wissenschaftlich an, allerdings ist die Kunde der Pflanzenverwendung ja auch zugänglicher als der Kram, mit dem ich mich während meines Maschinenbaustudiums herumgeschlagen habe.

Die Steppe interessiert die Landschaftsplaner derzeit so brennend, weil ihre Pflanzen robust und trockenheitsverträglich sind, so dass sie sich für Grünflächen in der Großstadt perfekt eignen - gerade in Hinblick auf den Klimawandel und die Dürreperioden, die uns in den nächsten Jahrzehnten bevorstehen. Pflanzen der osteuropäischen Steppe wie Adonisröschen, Küchenschelle, diverse Nelken und Iris sowie Gräser sind nicht nur pflegeleicht - und schonen damit die kommunalen Kassen - sondern auch schön.

Nektar und Ambrosia

Donnerstag, 24. September 2009

Die Sonne hat sich verabschiedet, nur der Kürbis, der sich auf die Eibenhecke von Nachbar Th. geschwungen hat, bekommt derzeit noch ein paar Strahlen ab. Trotzdem besuchen noch immer viele Bienen und auch gelegentlich der eine oder andere Schmetterling meinen Garten. Und, weniger willkommen, jede Menge Wespen, die offenbar magisch von den eigentümlich riechenden Silberkerzen (Cimicifuga) angezogen werden.

Öko-Gärtner setzen sich ja oft vehement für einheimische Pflanzen ein und neigen mitunter dazu, Gartenzüchtungen oder Gewächse anderer Kontinente zu verdammen. Nach meinen Beobachtungen zeigen Bienen, Hummeln & Co. jedoch keineswegs eine Präferenz für die mitteleuropäische Flora. Im Gegenteil: Um diese Jahreszeit blüht ja kaum noch eine einheimische Blume. Doch unverdrossen tummeln sich die Nektarsammlerinnen in meinem Staudenbeet, wo nun vor allem amerikanische Präriestauden noch Farbe zeigen.

Septemberdüfte

Donnerstag, 17. September 2009

Der Sommer ist definitiv vorbei. Immer kürzer scheint die Sonne in meinen Garten, und von Tag zu Tag wird der Streifen schmaler, den sie mit ihrem Strahlen streift. Eine gewisse Hektik breitet sich aus: Wie viele Tomaten werden noch erröten, bis ich die letzten grünen Früchte zum Nachreifen ins Haus holen muss? Schaffen es die beiden kleinen Kürbisse noch, auf Ernteformat anzuschwellen? Und wird wirklich nur eine einzige Paprika vollreif-rot durchs Ziel gehen?

Vergesst Spinat!

Mittwoch, 19. August 2009

Die letzten Salatblätter sind bald gepflückt (aus Platzgründen wird es bei mir leider nie etwas aus den monatlichen Folgesaaten), doch nun reift endlich die Haupternte im Gemüsebeet heran. Lange genug hat es dieses Jahr gedauert - wohl eine Folge des kühlen Frühlings.

Wenn ich ehrlich sein soll, ist die heimische Gemüseanzucht natürlich ein Zuschussgeschäft: So billig wie das Zeug vom Discounter kann keine im Hausgarten gehegte und gepflegte Zucchini oder Tomate je sein. Und wenn ich noch ehrlicher sein soll, schmeckt das frisch im Beet geerntete Gemüse zwar oft, aber nicht immer besser als gekaufte Ware - schon allein deshalb, weil es immer eine vertrackte Sache ist, den richtigen Erntezeitpunkt abzupassen.

Die Wundertüte

Donnerstag, 13. August 2009

Der größte Luxus im Garten ist es für mich, Blumen für die Vase zu schneiden – etwas, vor dem ich früher immer zurückgeschreckt bin. Jede Blume im Garten war mir heilig, sie zu pflücken, ein Sakrileg. Allmählich aber ändere ich meine Einstellung. Denn zum einen verbringe ich (leider) doch substanziell mehr Zeit am Schreibtisch als im Garten, und eine Blüte in meinem Büro habe ich demnach länger vor Augen als ihre Schwester im Beet. 

Der kleine Horrorgarten

Freitag, 07. August 2009

Kennt Ihr das Gefühl, aus dem Urlaub zurückzukommen und ein fremdartiges, bedrohliches Dickicht wiederzufinden? So ging es mir, als ich letzten Sonntag mit einem flauen Gefühl im Magen zur Bestandsaufnahme im Garten schritt. Alles in allem waren keine tragischen Ausfälle zu verzeichnen, obgleich unsere Gießbeauftragte stellenweise mit dem Wasser gegeizt hatte, so dass der Dschungel mehr gelb als grün ausfiel. 

Andere Gewächse hingegen hatten mehr Feuchtigkeit abbekommen und in den zwei Wochen auf beängstigende Weise zugelegt. Allen voran ein Butternut-Kürbis, herangezogen aus einem harmlosen Samen, den ich mal beim Kochen beiseitegelegt hatte. War er vor dem Urlaub noch ein bescheidenes Pflänzchen gewesen, so entwickelte er sich in meiner Abwesenheit zum Würger: Nicht nur rankte er das halbe Salatbeet zu, sondern ergriff mit seinen Rankorganen, die in Form und Festigkeit handelsüblichen Korkenziehern gleichen, junge Brokkolilpflanzen und erdrosselte sie nach allen Regeln der Kunst. Drei Tote. 

Point of no Return

Donnerstag, 02. Juli 2009

Irgendwann ist er da, dieser Moment. Letztes Jahr dauerte es bis Mitte, Ende Juli, diesmal war es dank des vielen Regens schon Mitte Juni so weit: Jener Augenblick, wenn es nicht mehr zu leugnen ist, dass mir der Garten buchstäblich über den Kopf gewachsen ist und ich nicht mehr alle Gewächse unter Kontrolle halten kann. Jetzt ist loslassen angesagt.

Denn nun hat die Phase begonnen, da jeder Ausflug in den Hintergrund meiner Beete zu einer gefährlichen Dschungelexkursion wird – gefährlich weniger für mich, sondern für die zarteren unter den Pflanzen, die es ohne meine Unterstützung nun ohnehin schwer genug haben, ihr Überleben zu fristen. Manche werden von ihren Nachbarn, allen voran  den Storchenschnäbeln, dermaßen überwuchert, dass ich ihre Existenz glatt vergesse. Gab es da nicht einmal eine Gaura, selbst aus einem Steckling herangezogen? Längeres Suchen zwischen den Echinaceen fördert schließlich ein spilleriges Etwas zutage. Umpflanzen? Aber wohin??

Gemüse-Lektionen

Freitag, 26. Juni 2009

Dieses Jahr wird ein Salatjahr. Und ein Erbsenjahr. Ganz im Gegenteil zur letzten Saison, als meine Lollo Rosso-Pflänzchen von der erbarmungslosen Juni-Sonne versengt wurden und die vergilbenden Erbsenranken nur ein oder zwei Handvoll Schoten lieferten. Da halfen auch Gießkanne und Schattiervlies nicht viel.

Nun aber essen wir seit Wochen pausenlos unseren eigenen Salat. Fast öfter als mir lieb ist, ehrlich gesagt. Aber man kann ihn ja nicht einfach stehen und Blüten treiben lassen! Besonders reichlich ernten wir übrigens die bei uns erst seit kurzem bekannten Asia-Salate. Sie tragen Namen wie japanische Geishas: Mizuna, Komatsuna, Mibuna, und sind für Gemüseanfänger wie mich ideal. Ich habe sie im April gesät, und erst jetzt geht der Vorrat allmählich zur Neige, da sie schneller schießen, als ich sie abernten kann. Denn man schneidet immer nur einzelne Blätter, so dass die unverwüstlichen Pflanzen - es sind allesamt Angehörige der Gattung Brassica, also Kohlgewächse – nachwachsen können.