Archiv für die Kategorie ‘Stadtgrün’

Tropische Gartengemälde

Montag, 14. Dezember 2009

Eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung über den brasilianischen Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx bietet derzeit die Botschaft des lateinamerikanischen Staates in Berlin. Selten gingen Kunst und Gartengestaltung eine so enge Symbiose ein wie im Werk des deutschstämmigen Burle Marx (1909-1994), der übrigens auch als Maler, Musiker, Bühnenbilder und Kunsthandwerker glänzte. Zudem setzte er sich schon zu einem Zeitpunkt für den Schutz der tropischen Pflanzenwelt ein, als die Zerstörung der brasilianischen Urwälder noch kaum jemanden aufregte.

Faszinierend zu sehen, wie Marx` Pflanzpläne kaum von seinen abstrakten Gemälden zu unterscheiden sind. Noch die Blaupausen seiner Pläne könnten bequem in jedem Museum neben Miró und Delaunay hängen. Marx liebte organische Formen in starken Farben – und so legte er auch seine zahllosen Privatgärten und Parks an. Trotz oder gerade wegen ihrer grafischen Gestaltung und der leuchtenden Farbflächen fügen sich die Gärten perfekt in die – oft spektakuläre – tropische Landschaft ein.

Ein Baum ist ein Baum ist ein Lolli

Montag, 30. November 2009

Es gibt ja Kinder, die können gut malen, und solche, die da nicht so begabt sind. Letztere zeichnen zum Beispiel einen Baum mit einem gleichmäßig dicken Stamm und kugelrunder Krone. Die anderen haben spätestens im Alter von fünf Jahren beobachtet, dass ein Baumstamm kein Rohr ist und eine Baumkrone selten ein Ball. Leider machen manche Menschen diesen Erkentnisfortschritt nie mit, und wenn sie dann alt genug sind, einem Landschaftsgärtner viel Geld hinterherzuwerfen, lassen sie sich Dauerlutscher vor die Tür setzen.

Ich rede von der grassierenden Marotte, statt anständiger Bäume mopartige Gebilde mit runder Krone zu pflanzen, und das paarweise, wenn nur irgend möglich. Allein von meinem Schreibtisch aus genieße ich den Blick auf fünf solche Trauergestalten in fünf Gärten (!). Bei vieren davon handelt es sich um Kugelahorne, die fünfte ist eine Kugelrobinie.

Meditation über den Kiesgarten

Montag, 16. November 2009

Das Ehepaar G. zwei Häuser weiter, beide erfolgreiche Juristen, hat weder Zeit noch Lust, sich mit seinem Garten zu befassen. Deshalb ließen sie ihre Parzelle im streng minimalistischen Stil begrünen: Rollrasen, Buchshecke und drei antennenartig deformierte Platanen, die einmal so eine Art Laube ergeben sollen. Leider haben die G.’s, jeglicher botanischer Kenntnisse unverdächtig, nicht geahnt, dass auch ein Rollrasen Pflege benötigt: Er will gemäht werden!

Also sieht (und hört) man Herrn G. im Sommer alle zwei Wochen samstags den Rasenmäher herumschieben, wobei ihm seine Gattin Gesellschaft leistet. Einmal hörte man sie stöhnen: “Hätten wir gewusst, wie viel Arbeit so ein Rasen macht, hätten wir einen japanischen Kiesgarten angelegt!”

Stoppt den Kleingarten-Kahlschlag!

Freitag, 16. Oktober 2009

Als Berlinerin ist man ja daran gewöhnt, nicht von dem fähigsten aller Apparate verwaltet zu werde, ich sage nur Spreedreieck, Wasserwerke, und, ach ja, Berliner Bank. Auch dass die Berliner Behörden nicht immer ein gutes Händchen für Grünanlagen besitzen, kann ich direkt vor meiner Haustür beobachten. Dort wurde ja ein alter Baumbestand abgeholzt, um Platz für einen repräsentativen Park zu schaffen. Seither beißt sich das Grünflächenamt die Zähne an der offenbar sehr anspruchsvollen Aufgabe aus, einen leidlich grünen Rasen anzulegen.

Sind wir reif für die Steppe?

Dienstag, 13. Oktober 2009

Diese Frage stellte die Wiener Landschaftsökologin Sabine Plenk auf der Tagung “Gräser und Wiesen im öffentlichen Raum” an der TU Berlin, die ich am Wochenende besucht habe. Ihr seht, ich gehe das Gärtnern jetzt sogar wissenschaftlich an, allerdings ist die Kunde der Pflanzenverwendung ja auch zugänglicher als der Kram, mit dem ich mich während meines Maschinenbaustudiums herumgeschlagen habe.

Die Steppe interessiert die Landschaftsplaner derzeit so brennend, weil ihre Pflanzen robust und trockenheitsverträglich sind, so dass sie sich für Grünflächen in der Großstadt perfekt eignen - gerade in Hinblick auf den Klimawandel und die Dürreperioden, die uns in den nächsten Jahrzehnten bevorstehen. Pflanzen der osteuropäischen Steppe wie Adonisröschen, Küchenschelle, diverse Nelken und Iris sowie Gräser sind nicht nur pflegeleicht - und schonen damit die kommunalen Kassen - sondern auch schön.

BUGA-Nachlese

Montag, 24. August 2009

Gärtnerisch hat mich die diesjährige Bundesgartenschau in Schwerin ja schon nicht verzückt, nun ist mir auch noch eine Broschüre des BUND Mecklenburg-Vorpommern untergekommen, der die gärtnerische Leistungsschau als Ökosünde anprangert. Akribisch listen die Naturschützer auf, wo überall Bäume gefällt wurden (insgesamt rund 1000!), weil sie das Konzept störten, wo sensible Uferzonen geschädigt und naturnahes Dickicht zusammengestutzt wurde. Was für eine Perversion – der Garten als Naturkiller!

Dabei gab es auch in Schwerin ursprünglich Pläne, ähnlich wie vor zwei Jahren im Thüringer Tagebau-Revier aufgelassene Brachen zu rekultivieren – im Visier hatten die Planer das Gelände eines nicht mehr genutzten Güterbahnhofs. Doch gab man dieses Vorhaben alsbald aus Kostengründen auf, nicht ohne zuvor 85.000 Euro für einen Architekturwettbewerb verpulvert zu haben.

Offene Gärten

Dienstag, 09. Juni 2009

Am Wochenende war “Tag der offenen Gärten” in Berlin und Brandenburg; leider stand das Ereignis zumindest für mich unter einem schlechten Stern. Irene, meine jüngere Tochter, hatte Fieber, und das Wetter ließ sehr zu wünschen übrig. Als ich mich Sonntag früh dann doch zur Gartenbesichtigung aufmachte, regnete es in Strömen. Also wurde nichts aus der geplanten Radtour ins Berliner Umland. Stattdessen begnügte ich mich damit, vier Gärten im inneren Stadtbereich per U-Bahn und Bus zu besuchen, den Regenschirm im Anschlag.

Lob der Tulpe

Mittwoch, 29. April 2009

Früher mochte ich Tulpen nicht sonderlich. Zu grell, zu künstlich kamen sie mir vor. Doch seit ich meinen eigenen Garten hege, habe ich meine Meinung gründlich geändert. Zunächst ist es ja kaum möglich, nach den öden, grün-braunen Wintermonaten im Frühling leuchtende Farben in den Garten zu holen, ohne auf Tulpen zurückzugreifen.

Zum anderen scheinen Tulpen meinen Garten zu lieben. Im Gegensatz zu den Osterglocken, die die Tendenz haben, von Jahr zu Jahr weniger zu werden (die Trockenheit? die Narzissenfliege? Weiß der Teufel), halten sich die Tulpen exzellent. Einige Sorten, etwa die weiße “Purissima” vermehren sich sogar. Tulpen schätzen es schließlich, wenn der Boden im Sommer knochentrocken ist, was gerade in meinem Vorgarten leider häufig vorkommt.

Zu den Waffen!

Montag, 02. Februar 2009

Eigentlich dachte ich ja, unsere Nachbarschaft bestünde ausschließlich aus freiberufelnden Yuppies (spießig) und jungen Familien (auch spießig). Aber ich habe mich getäuscht: Auch hinter Natursteinfassaden haust mitunter ein revolutionärer Geist. Und manch ehrbare Mutter, die nachmittags ihre Kinder zum Chorsingen chauffiert, greift bei Einbruch der Dämmerung zur Waffe, um die Welt zu verbessern. Nein, keine AK-47. Sondern Schaufel und Gießkanne.

Wenn es irgendeinen Zweifel geben kann, dass Guerilla Gardening allmählich zum Breitensport wird, so dürfte das Beispiel A. ihn ausräumen. A., katholisch, Mutter dreier reizender Töchter, eröffnete mir neulich, sie habe gemeinsam mit der Mutter von Nachbarin M. ein paar hundert Blumenzwiebeln im Grünstreifen vor ihrer Häuserreihe vergraben. Hunderte Blumen-zwiebeln! Das hat mir imponiert.

Es lebe der Beton

Dienstag, 09. Dezember 2008

Quelle: Stadt Frankfurt am Main

Nun muss ich meine Meinung von gestern zumindest teilweise revidieren, erreicht mich doch gerade eine Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe, die einen ehemaligen Hubschrauberlandeplatz bei Frankfurt als Naturparadies ausgezeichnet hat. Flora und Fauna scheinen den alten, brüchigen Beton zu lieben; man hat nicht weniger als 300 Gefäßpflanzen auf dem Gelände ausgemacht. Seltene Vogelarten wie der Steinschmätzer sind Stammgast.

Also, noch ist auch in hier in Berlin nichts verloren. Vor meinem inneren Auge sehe ich Hundertschaften von Gefäßpflanzen die Fugen der öden Spreepromenade im Regierungsviertel aufbrechen; der Steinschmätzer nistet im Gestein der Friedrichstraßen-Lochfassaden, und auf den Parkplätzen meiner geschätzten Nachbarn sprießen urbane Wälder. (Die übrigens das Stadtklima enorm verbessern und deren Pflanzung auf Brachflächen deshalb in Leipzig Gegenstand eines Forschungsvorhabens ist.) Also, ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil: Es lebe der Beton!