Archiv für die Kategorie ‘Stadtgrün’

Kreuzberger Prinzen

Donnerstag, 10. Juni 2010

Manchmal hat man einfach Glück. Endlich habe ich ein paar freie Tage, weil der eine oder andere Auftraggeber es nun doch nicht so eilig hat - und das gerade dann, wenn in Berlin der Sommer einzieht. Neben Gartenarbeit (heute die letzten Setzlinge ausgepflanzt, Radieschen und Mangold nachgesät, nicht kletternde Kletterhortensie entwirrt und aufgebunden), ausgedehnten Café-Aufenthalten und fleißigem Bloggen habe ich die Zeit genutzt, um den bereits erwähnten Prinzessinengarten in Kreuzberg zu besuchen.

Es hat mich ja schon gewurmt, dass erst meine Freundin und Öko-Mode-Bloggerin Kirsten aus Hamburg mich auf dieses Projekt aufmerksam gemacht hat, obwohl es nur ein paar Fahrradminuten von meinem Zentralgarten entfernt stattfindet und obendrein rauf und runter von den Medien durchdekliniert wurde. “Urban Farming” betreiben die Initiatoren dort am Moritzplatz, dazu ein kleines Café in einem Frachtcontainer, wo ich mir einen Latte Macchiato gegönnt und die Sache in Augenschein genommen habe.

Böse Guerillas?

Freitag, 04. Juni 2010

Zerstören Guerilla-Gärtner wertvolle Lebensräume? Sind Community Gardens ökologische Wüsten? Absurde Fragen? Nicht doch: Genau das behauptet nicht nur Heidrun Heidecke vom BUND, sondern auch die Leipziger Ökologin Ulrike Weiland in der Süddeutschen Zeitung. Frau Heidecke sorgt sich, dass von Guerillas gepflanzte Forsythien und Sommerblumen, “als ursprünglich nicht einheimische Gewächse für Insekten nutzlos” seien, während Frau Weiland um bodenbrütende Nachtigallen auf urbanen Brachflächen bangt.

Hallo? Ich liebe Nachtigallen, freue mich über wild wuchernde Brachflächen, schätze den BUND und die Ökologie sowieso – aber hier, liebe Naturschützer seid Ihr auf dem Holzweg. Wie kann man solchen Unsinn in die Welt setzen?

Prima Idee

Dienstag, 04. Mai 2010

Wer als Innenstadtbewohner nicht das Glück hat, wie ich einen Zentralgarten zu bestellen, dem blieb bislang allenfalls die Option, sich um einen Schrebergarten zu bewerben. Für viel beschäftigte Zeitgenossen dürfte das aber wenig praktikabel sein (von dem ganzen antiquierten Reglement mal abgesehen), denn wer kann schon bei heißem Wetter täglich eine halbe Stunde oder so unterwegs sein, um das Gemüse zu gießen?

Nun gibt es hier in Berlin ein Projekt, das einen eleganten Kompromiss darstellt: Beim “Bauerngarten Berlin” kann man zum Saisonbeginn eine fertig mit allerlei Gemüsen bepflanzte Parzelle am Stadtrand pachten und sich dann der weiteren Pflege widmen – und natürlich dem Ernten. Wer gerade keine Zeit hat, muss nicht um das Leben seiner Zucchinis zittern, denn die Initiatoren sorgen für die Bewässerung.

Urban Guerilla

Samstag, 27. März 2010

Heute mal keine Pflanze, sondern ein Mann. Diesen fotogenen Herrn, dem man auf den ersten Blick nicht zutraut, dass er sich öfter mal die Hände schmutzig macht, trafen meine Freundin Kirsten und ich letzte Woche, um uns über Guerilla Gardening als Aktionsform zu unterhalten. Wie kein anderer hat Richard Reynolds dazu beigetragen, das zwar schon in den 70er Jahren in New York erfundene, aber zwischenzeitlich in Vergessenheit geratene Gärtnern auf fremdem Land zu einer angesagten Freizeitbeschäftigung zu machen.

Tropische Gartengemälde

Montag, 14. Dezember 2009

Eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung über den brasilianischen Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx bietet derzeit die Botschaft des lateinamerikanischen Staates in Berlin. Selten gingen Kunst und Gartengestaltung eine so enge Symbiose ein wie im Werk des deutschstämmigen Burle Marx (1909-1994), der übrigens auch als Maler, Musiker, Bühnenbilder und Kunsthandwerker glänzte. Zudem setzte er sich schon zu einem Zeitpunkt für den Schutz der tropischen Pflanzenwelt ein, als die Zerstörung der brasilianischen Urwälder noch kaum jemanden aufregte.

Faszinierend zu sehen, wie Marx` Pflanzpläne kaum von seinen abstrakten Gemälden zu unterscheiden sind. Noch die Blaupausen seiner Pläne könnten bequem in jedem Museum neben Miró und Delaunay hängen. Marx liebte organische Formen in starken Farben – und so legte er auch seine zahllosen Privatgärten und Parks an. Trotz oder gerade wegen ihrer grafischen Gestaltung und der leuchtenden Farbflächen fügen sich die Gärten perfekt in die – oft spektakuläre – tropische Landschaft ein.

Ein Baum ist ein Baum ist ein Lolli

Montag, 30. November 2009

Es gibt ja Kinder, die können gut malen, und solche, die da nicht so begabt sind. Letztere zeichnen zum Beispiel einen Baum mit einem gleichmäßig dicken Stamm und kugelrunder Krone. Die anderen haben spätestens im Alter von fünf Jahren beobachtet, dass ein Baumstamm kein Rohr ist und eine Baumkrone selten ein Ball. Leider machen manche Menschen diesen Erkentnisfortschritt nie mit, und wenn sie dann alt genug sind, einem Landschaftsgärtner viel Geld hinterherzuwerfen, lassen sie sich Dauerlutscher vor die Tür setzen.

Ich rede von der grassierenden Marotte, statt anständiger Bäume mopartige Gebilde mit runder Krone zu pflanzen, und das paarweise, wenn nur irgend möglich. Allein von meinem Schreibtisch aus genieße ich den Blick auf fünf solche Trauergestalten in fünf Gärten (!). Bei vieren davon handelt es sich um Kugelahorne, die fünfte ist eine Kugelrobinie.

Meditation über den Kiesgarten

Montag, 16. November 2009

Das Ehepaar G. zwei Häuser weiter, beide erfolgreiche Juristen, hat weder Zeit noch Lust, sich mit seinem Garten zu befassen. Deshalb ließen sie ihre Parzelle im streng minimalistischen Stil begrünen: Rollrasen, Buchshecke und drei antennenartig deformierte Platanen, die einmal so eine Art Laube ergeben sollen. Leider haben die G.’s, jeglicher botanischer Kenntnisse unverdächtig, nicht geahnt, dass auch ein Rollrasen Pflege benötigt: Er will gemäht werden!

Also sieht (und hört) man Herrn G. im Sommer alle zwei Wochen samstags den Rasenmäher herumschieben, wobei ihm seine Gattin Gesellschaft leistet. Einmal hörte man sie stöhnen: “Hätten wir gewusst, wie viel Arbeit so ein Rasen macht, hätten wir einen japanischen Kiesgarten angelegt!”

Stoppt den Kleingarten-Kahlschlag!

Freitag, 16. Oktober 2009

Als Berlinerin ist man ja daran gewöhnt, nicht von dem fähigsten aller Apparate verwaltet zu werde, ich sage nur Spreedreieck, Wasserwerke, und, ach ja, Berliner Bank. Auch dass die Berliner Behörden nicht immer ein gutes Händchen für Grünanlagen besitzen, kann ich direkt vor meiner Haustür beobachten. Dort wurde ja ein alter Baumbestand abgeholzt, um Platz für einen repräsentativen Park zu schaffen. Seither beißt sich das Grünflächenamt die Zähne an der offenbar sehr anspruchsvollen Aufgabe aus, einen leidlich grünen Rasen anzulegen.

Sind wir reif für die Steppe?

Dienstag, 13. Oktober 2009

Diese Frage stellte die Wiener Landschaftsökologin Sabine Plenk auf der Tagung “Gräser und Wiesen im öffentlichen Raum” an der TU Berlin, die ich am Wochenende besucht habe. Ihr seht, ich gehe das Gärtnern jetzt sogar wissenschaftlich an, allerdings ist die Kunde der Pflanzenverwendung ja auch zugänglicher als der Kram, mit dem ich mich während meines Maschinenbaustudiums herumgeschlagen habe.

Die Steppe interessiert die Landschaftsplaner derzeit so brennend, weil ihre Pflanzen robust und trockenheitsverträglich sind, so dass sie sich für Grünflächen in der Großstadt perfekt eignen - gerade in Hinblick auf den Klimawandel und die Dürreperioden, die uns in den nächsten Jahrzehnten bevorstehen. Pflanzen der osteuropäischen Steppe wie Adonisröschen, Küchenschelle, diverse Nelken und Iris sowie Gräser sind nicht nur pflegeleicht - und schonen damit die kommunalen Kassen - sondern auch schön.

BUGA-Nachlese

Montag, 24. August 2009

Gärtnerisch hat mich die diesjährige Bundesgartenschau in Schwerin ja schon nicht verzückt, nun ist mir auch noch eine Broschüre des BUND Mecklenburg-Vorpommern untergekommen, der die gärtnerische Leistungsschau als Ökosünde anprangert. Akribisch listen die Naturschützer auf, wo überall Bäume gefällt wurden (insgesamt rund 1000!), weil sie das Konzept störten, wo sensible Uferzonen geschädigt und naturnahes Dickicht zusammengestutzt wurde. Was für eine Perversion – der Garten als Naturkiller!

Dabei gab es auch in Schwerin ursprünglich Pläne, ähnlich wie vor zwei Jahren im Thüringer Tagebau-Revier aufgelassene Brachen zu rekultivieren – im Visier hatten die Planer das Gelände eines nicht mehr genutzten Güterbahnhofs. Doch gab man dieses Vorhaben alsbald aus Kostengründen auf, nicht ohne zuvor 85.000 Euro für einen Architekturwettbewerb verpulvert zu haben.