Archiv für die Kategorie ‘Unterwegs’

Tropische Gartengemälde

Montag, 14. Dezember 2009

Eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung über den brasilianischen Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx bietet derzeit die Botschaft des lateinamerikanischen Staates in Berlin. Selten gingen Kunst und Gartengestaltung eine so enge Symbiose ein wie im Werk des deutschstämmigen Burle Marx (1909-1994), der übrigens auch als Maler, Musiker, Bühnenbilder und Kunsthandwerker glänzte. Zudem setzte er sich schon zu einem Zeitpunkt für den Schutz der tropischen Pflanzenwelt ein, als die Zerstörung der brasilianischen Urwälder noch kaum jemanden aufregte.

Faszinierend zu sehen, wie Marx` Pflanzpläne kaum von seinen abstrakten Gemälden zu unterscheiden sind. Noch die Blaupausen seiner Pläne könnten bequem in jedem Museum neben Miró und Delaunay hängen. Marx liebte organische Formen in starken Farben – und so legte er auch seine zahllosen Privatgärten und Parks an. Trotz oder gerade wegen ihrer grafischen Gestaltung und der leuchtenden Farbflächen fügen sich die Gärten perfekt in die – oft spektakuläre – tropische Landschaft ein.

Neuentdeckungen

Freitag, 23. Oktober 2009

Neulich habe ich mir zwei Bände mit alten Gartenkolumnen des mittlerweile verstorbenen Zeit-Autors Jürgen Dahl aus der Bibliothek geholt (”Nachrichten aus dem Garten”. Obwohl die Texte teils über 20 Jahre alt sind, wirken sie noch immer frisch und inspirierend. Vor allem hat mir gefallen, welche Aufmerksamkeit Dahl unscheinbaren Gewächsen - oft unbekannten heimischen Wildpflanzen – und kleinsten Details widmete. So legte er eine Wegerich-Sammlung (!) an und registrierte genau, welche subtil unterschiedlichen Formen dieser wandelbaren (Un)Kräuter in seinem Garten gediehen.

BUGA-Nachlese

Montag, 24. August 2009

Gärtnerisch hat mich die diesjährige Bundesgartenschau in Schwerin ja schon nicht verzückt, nun ist mir auch noch eine Broschüre des BUND Mecklenburg-Vorpommern untergekommen, der die gärtnerische Leistungsschau als Ökosünde anprangert. Akribisch listen die Naturschützer auf, wo überall Bäume gefällt wurden (insgesamt rund 1000!), weil sie das Konzept störten, wo sensible Uferzonen geschädigt und naturnahes Dickicht zusammengestutzt wurde. Was für eine Perversion – der Garten als Naturkiller!

Dabei gab es auch in Schwerin ursprünglich Pläne, ähnlich wie vor zwei Jahren im Thüringer Tagebau-Revier aufgelassene Brachen zu rekultivieren – im Visier hatten die Planer das Gelände eines nicht mehr genutzten Güterbahnhofs. Doch gab man dieses Vorhaben alsbald aus Kostengründen auf, nicht ohne zuvor 85.000 Euro für einen Architekturwettbewerb verpulvert zu haben.

Reise nach Schwerin

Freitag, 17. Juli 2009

Natürlich musste ich mir die diesjährige Bundesgartenschau in Schwerin ansehen, auch wenn der Besuch jetzt im 8. Monat ein wenig beschwerlich war. Hat sich die Reise gelohnt? Schwer zu sagen.

Spektakulär war auf jeden Fall die Lage der Schauflächen am See und rings um das Schweriner Schloss, das es an romantischer Ausstrahlung locker mit Neuschwanstein aufnehmen kann. Doch gerade in diesem Setting lag der Keim der Enttäuschung: An diesem historischen Ort ging es natürlich in erster Linie um die Wiederherstellung alter Parkanlagen und um eher geometrisch-formale Pflanzungen. Und die entsprechen nun einmal nicht so ganz meinem Geschmack.

Offene Gärten

Dienstag, 09. Juni 2009

Am Wochenende war “Tag der offenen Gärten” in Berlin und Brandenburg; leider stand das Ereignis zumindest für mich unter einem schlechten Stern. Irene, meine jüngere Tochter, hatte Fieber, und das Wetter ließ sehr zu wünschen übrig. Als ich mich Sonntag früh dann doch zur Gartenbesichtigung aufmachte, regnete es in Strömen. Also wurde nichts aus der geplanten Radtour ins Berliner Umland. Stattdessen begnügte ich mich damit, vier Gärten im inneren Stadtbereich per U-Bahn und Bus zu besuchen, den Regenschirm im Anschlag.

Der Rosenkavalier

Freitag, 29. Mai 2009

Letzten Sonntag haben wir auf der Rückfahrt von einem Thüringen-Ausflug das Rosarium in Sangerhausen besucht. Sangerhausen liegt irgendwo zwischen Harz und Halle, umgeben von merkwürdig dreieckigen Abraumhalden, die aussehen wie Land Art, aber vermutlich üble Umweltsünden sind. Nein, ich glaube, man muss Sangerhausen nicht kennen, es sei denn, man ist ein Rosenfreak. Angeblich beherbergt das Rosarium nämlich die größte Rosensammlung Deutschlands, Europas, wenn nicht der Welt - kommt darauf an, welcher Quelle man folgt. Jedenfalls sollten es 8300 Sorten sein.

Frühlings-Fluchten

Montag, 23. März 2009

Ist dieser Blog vom Grauschimmel befallen? Die Gärtnerin verschollen? Keine Angst, so weit ist es noch nicht, auch wenn ich übelsten Gewissens feststelle, dass ich fast einen Monat lang nichts gepostet habe. Eine Todsünde in der Blogosphäre, ich weiß. Bitte verzeiht!

Aber ich hatte mich zwischenzeitlich aus dem grauen, nassen, kalten Berliner Pseudofrühling nach Kreta abgesetzt, nicht zuletzt, um dort meine malträtierten Atemwege ein bisschen zu kurieren. Geregnet hat’s dort zwar auch reichlich, aber immerhin war der Frühling schon auf ganzer Linie ausgebrochen. 

Bunte Bilder

Montag, 26. Januar 2009

In letzter Zeit war ich ein wenig nachlässig bei der Bebilderung meiner Blog-Beiträge, ich weiß. Entweder war die Digitalkamera gerade nicht zu finden, oder es gab ein Netzwerkproblem, oder das Wetter war schlecht… Ich weiß, Gründe gibt’s immer, und der wahre Grund heißt: Faulheit. Die Blogger unter Euch wissen ja, dass das Hochladen und Einstellen von Fotos mitunter Fummelkram sein kann. Aber ich gelobe Besserung, und wie Ihr seht, habe ich schon ein bisschen renoviert. 

Grüne Woche

Samstag, 17. Januar 2009

Da ich wegen einer Pressekonferenz unserer schicken Agrarministerin eh akkreditiert war, wollte ich mir heute mal anschauen, was die viel gerühmte Grüne Woche für Gärtner so zu bieten hat. Meine Erwartungen waren nicht hoch gespannt, wurden aber locker unterboten. So eine triste Veranstaltung!

Vor allem stieß ich in den Hallen 8 und 9 auf Stände, die Blumen-zwiebeln verkauften. Da lagen dicke Amaryllis-Zwiebeln, die ganz gut aussahen, aber ziemlich teuer waren, dazu Packungen mit Dahlien, Gladiolen und den üblichen Verdächtigen, meist in grauenhaften Farbmischungen. Dazu aber auch jede Menge Tulpen-, Hyazinthen- und Schneeglöckchenzwiebeln. Was um alles in der Welt soll ich im Januar mit Tulpenzwiebeln? Mikrobiologische Studien betreiben? Aber vielleicht ist die Ware ja auch so dick mit Fungiziden gepudert, dass man sie bequem ein Dreivierteljahr einlagern kann.

Neujahrsgrüße, verspätet

Samstag, 03. Januar 2009

Melde mich zurück von der Insel – diesmal aber nicht England, sondern Sizilien, wohin mein Gatte und ich uns über die Feiertage geflüchtet haben. Gut für die Ehe, schlecht für die CO2-Bilanz, ich weiß. Wirklich reumütig bin ich aber nicht, dazu habe ich die Tage im Süden viel zu sehr genossen: Felder voller Zitronen- und Orangenbäume, die so voller Früchte hängen wie sonst nur die Apfelbäume im Märchen, Bougainvilleen in voller Blüte, duftender Jasmin, meterhohe Weihnachtssterne…

Klingt nach Idyll, ist aber keins: Sizilien verlangt von seinen Liebhabern, dass sie über viele, sehr viele Schönheitsfehler hinwegsehen: die Appartementklötze am Meer; die Bauruinen; die Häuser, die aussehen wie Bauruinen; die absurd überdimensionierten Umgehungsstraßen um jedes Landstädtchen, an deren Bau die Mafia sicher gut mitverdient hat.