Mein Garten

Wir schreiben das Jahr 2008. Ganz Berlin-Mitte ist von einer Armee kugelförmig frisierter Buchsbäume überrollt. Ganz Berlin? Nein! Auf einer winzigen Parzelle zwischen Außenamt und Plattenbau, umzingelt von mehr als 20 Meter hohen Hauswänden, versucht eine enthusiastische Gärtnerin, ihre Träume wachsen zu lassen.

Sie wünscht sich elegante Staudenrabatten, üppige Gehölze, ein artenreiches Biotop, duftende Kräuter, dazu die eine oder andere Handvoll selbst gezogener Erbsen und Erdbeeren, Sauerkirschen und Salat.

Überkandidelt? Vielleicht. Aber einen Versuch wert!

Ich will ausprobieren, was jenseits von Rollrasen und rasierten Gehölzen in einem nur 140 Quadratmeter kleinen Garten mitten der Großstadt möglich ist. Mich deprimiert die Tristesse so vieler Gärten nicht nur in der Stadt, die weder das Auge erfreuen noch der Natur Asyl bieten. Schätzungsweise zweieinhalb Prozent der Landesfläche machen private Gärten in Deutschland aus - und wie schlecht wird dieses Potenzial genutzt!

Im Gegensatz zu Großbritannien etwa ist das Gärtnern hierzulande ein Randthema und so ziemlich das Gegenteil von hip. Allzu viele Zeitgenossen ziehen einen pflegeleichten Garten einem schönen vor, da stört eine Vielfalt wachsender, wandelbarer, womöglich laubabwerfender Pflanzen nur. Und wer Wert auf Gartengestaltung legt, wünscht sich oft genug nur ein Statussymbol, schick gestylt und vollgestellt mit japanischen Steinlaternen oder anderen teuren Accessoires.

Genau das will ich nicht: keinen Rasen, kein exotisches oder mediterranes Flair, kein minimalistisches Design und keine Rosenbögen, Wasserspiele oder sonstigen Gartenkitsch. Statt dessen möchte ich einen Garten voller Pflanzen, der alle Sinne anspricht, der die Veränderung der Jahreszeiten spürbar macht, der Vögel und Insekten anlockt.

Angefangen hat alles mit einem Haufen Mutterboden hinter einem Bauzaun, umgeben von Sandhaufen und Baugruben, Gerüsten, langsam wachsenden Betongemäuern und quietschenden Kränen. Zwei Jahre später, im Herbst 2008, sieht das Gebilde schon fast wie ein Garten aus. Aber fertig ist er noch lange nicht.