Ein paar Impressionen

09. Juni 2010

Ich hätte gedacht, dass der Garten in einem Blütenfeuerwerk explodiert, jetzt, wo es nach all dem Regen plötzlich so warm geworden ist. Aber nichts da, alles geht nach wie vor quälend langsam voran. Ich vermute, dass die plötzliche Hitze und sengende Sonne die Pflanzen stresst - so, wie wir Kreislaufbeschwerden  und Sonnenbrand bekommen, wenn es plötzlich sehr warm wird.

So blüht es allenthalben nur verhalten, und die Gallica-Rose “Charles de Mills” spannt mich seit Tagen auf die Folter, so langsam entrollt sie ihre erste Blüte. Spektakulär dafür der Türkenmohn “Patty’s Plum”, den ich ja schon letztes Jahr gelobt habe. Nun aber haben sich sieben oder acht Blüten gleichzeitig geöffnet - das macht “Patty” zum derzeit alles überstrahlenden Star des Gartens.

Sitzen unterm Hollerbusch…

07. Juni 2010

Wer Kinder hat, kennt garantiert das weitgehend sinnfreie Liedchen mit dem “husch. husch, husch”-Refrain. Es handelt sich nicht unbedingt um einen Höhepunkt deutscher Sangeskultur, zeigt aber, wie sehr der Holunder in der Volksseele verwurzelt ist. In manchen Gegenden glaubte man, der Hausgeist wohne im Holler, und es soll sogar üblich gewesen sein, den Hut zu lüften, wenn man an diesem Strauch vorüberging. Hausgeister sind nämlich launisch, und man sollte sie besser nicht ärgern.

Und nun ein Bekenntnis (nein, ich glaube nicht an Geister): Wenn ich in meinem Garten nur Platz für ein einziges Gehölz hätte, es wäre der Holunder. Ja, dieser ganz gewöhnliche Strauch, der an jeder Straßenecke steht und noch in der kleinsten Ritze wurzelt.

Böse Guerillas?

04. Juni 2010

Zerstören Guerilla-Gärtner wertvolle Lebensräume? Sind Community Gardens ökologische Wüsten? Absurde Fragen? Nicht doch: Genau das behauptet nicht nur Heidrun Heidecke vom BUND, sondern auch die Leipziger Ökologin Ulrike Weiland in der Süddeutschen Zeitung. Frau Heidecke sorgt sich, dass von Guerillas gepflanzte Forsythien und Sommerblumen, “als ursprünglich nicht einheimische Gewächse für Insekten nutzlos” seien, während Frau Weiland um bodenbrütende Nachtigallen auf urbanen Brachflächen bangt.

Hallo? Ich liebe Nachtigallen, freue mich über wild wuchernde Brachflächen, schätze den BUND und die Ökologie sowieso – aber hier, liebe Naturschützer seid Ihr auf dem Holzweg. Wie kann man solchen Unsinn in die Welt setzen?

Von der Geduld

24. Mai 2010

Klar, dass Geduld die wichtigste Tugend des Gärtners ist. Oder nicht? In englischen Gartenbüchern findet man mindestens so häufig den Ratschlag, sich nicht zu lange mit kümmernden Pflanzen abzugeben. Was nicht wachsen will, soll willigeren Gewächsen weichen. “Be ruthless”, lautet die Devise.

Irgendwo zwischen diesen Polen trudelt wohl ein jeder Gärtner. Ich selbst neige eher dem ersten zu, aber nicht so sehr aus Gelassenheit. Das Etikett “Geduldsmensch” kann ich mir nicht wirklich anheften. Eher habe ich zu viele andere Dinge zu tun, als dass ich mich durchringen könnte, endlich diese oder jene enttäuschende Pflanze umzusetzen. Was heißt umsetzen – dazu müsste ich ja Platz haben. Und natürlich hasse ich es, lebende Pflanzen dem Kompost zu überantworten. Auch da stehe ich übrigens mittlerweile vor einem Platzproblem: Das Silo ist randvoll…

Ein Hauch von Hysterie

13. Mai 2010

Gut, dass ich derzeit kaum vom Schreibtisch wegkomme, sonst würde mich der ausbleibende Frühling schwer frustrieren. Immerhin konserviert das kühle Wetter die meisten Blüten: Wo die Camassias letztes Jahrbinnen Tagen verwelkt waren, zeigen sie nun schon eine ganze Weile ihre zartblauen Sternchenblüten, die gut mit den blassrosa, gefüllten Tulpen “Angélique” harmonieren. Auch sie und andere späte Tulpen bleiben taufrisch.

Verwelkt ist allerdings nun der letzte Strauß  ”Prinses Irene” auf meinem Schreibtisch, ebenfalls eine meiner Tulpen-Favoritinnen, Nicht nur, weil meine jüngere Tochter auch Irene heißt (allerdings keine Prinzessin, sondern eine Diktatorin ist), sondern auch wegen ihrer ungewöhnlichen Färbung: leuchtend orange und außen mit violetten Flammen überhaucht. Ein fantastischer Komplementär-kontrast. Im Garten kann ich die Prinzessin allerdings nirgendwo vernünftig kombinieren, deshalb pflanze ich sie als Schnittblume im Gemüsebeet - was für ein Luxus!

Lichtverzicht II

06. Mai 2010

Wer Zeit und Lust hat und im kalten, grauen Berlin Sehnsucht nach leuchtenden Farben verspürt, kann ab morgen die “Hängenden Gärten” meiner Freundin Mechtild van Ahlers in einer Ausstellung der Galerie Art Private Room in der Brunnenstraße 177 (Nähe Rosenthaler Platz) bewundern. Vernissage ist Freitag, 7. Mai um 19 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 30. Mai jeweils dienstags bis samstags von 13.30 bis 20 Uhr und sonntags von 15 bis 19 Uhr zu sehen.

Prima Idee

04. Mai 2010

Wer als Innenstadtbewohner nicht das Glück hat, wie ich einen Zentralgarten zu bestellen, dem blieb bislang allenfalls die Option, sich um einen Schrebergarten zu bewerben. Für viel beschäftigte Zeitgenossen dürfte das aber wenig praktikabel sein (von dem ganzen antiquierten Reglement mal abgesehen), denn wer kann schon bei heißem Wetter täglich eine halbe Stunde oder so unterwegs sein, um das Gemüse zu gießen?

Nun gibt es hier in Berlin ein Projekt, das einen eleganten Kompromiss darstellt: Beim “Bauerngarten Berlin” kann man zum Saisonbeginn eine fertig mit allerlei Gemüsen bepflanzte Parzelle am Stadtrand pachten und sich dann der weiteren Pflege widmen – und natürlich dem Ernten. Wer gerade keine Zeit hat, muss nicht um das Leben seiner Zucchinis zittern, denn die Initiatoren sorgen für die Bewässerung.

Schöner sitzen

30. April 2010

Wie Ihr wisst, bin ich ja kein Fan von Gartenaccessoires. Ein paar Gartenstühle brauche allerdings auch ich. Das sind bei mir schlichte (aber, wie ich finde, funktional-formschöne) Alumöbel aus dem Gastronomiebedarf. Spätestens seit unser Freund und Agent M. beim Lob meines Gartens naserümpfend die Alumöbel ausschloss, weiß ich jedoch, dass nicht alle Gartenfreunde meinen minimalistischen Geschmack teilen.

Kurz: Wer von Euch gerade erwägt, sich neue Gartenstühle, -tische,-bänke aus Holz zu kaufen, dem empfehle ich den aktuellen Holzeinkaufsführer des WWF. Denn gerade für den Außenbereich wird ja immer noch viel Holz verwendet, das aus dem Raubbau an Urwäldern stammt. Das gilt nicht nur für Tropenholz wie Teak, sondern auch für ganz normale Nadelhölzer, die etwa in Russland in großem Stil illegal eingeschlagen werden.

Das Mysterium der Tulpen

22. April 2010

Eigentlich assoziiert man Tulpen ja mit Holland. Was seltsam ist: Die Zwiebelgewächse gehören überhaupt nicht in ein feucht-mildes, maritimes Klima, sondern sind in sommerheißen und dann knochentrockenen Regionen Zentralasiens, des Iran und der Türkei zuhause. Also kein Wunder, dass sie bei mir prima klarkommen.

Überhaupt, vergesst Haarlem, Amsterdam & Co.: Die wahre Tulpenstadt ist Berlin, nicht zuletzt wegen des “Tulipan”-Festivals im Britzer Garten, von dem ich hier ja schon einmal geschwärmt habe. Und im Brandenburger Quasi-Steppenklima scheinen sich die Tulpen auch viel besser zu halten, als die Gartenratgeber gemeinhin unken. So gesteht der britische Gartendesigner  und Guardian-Kolumnist Dan Pearson, die meisten seiner Tulpenzwiebeln nach der ersten Blüte auf den Kompost zu befördern. Sollen sie nochmals blühen, müsste man sie ausgraben und trocken aufbewahren.

Hilfe, Topinambur!

15. April 2010

Es gibt Gemüse, das vorzüglich schmeckt, aber trotzdem zum Alptraum werden kann. Topinambur zum Beispiel. Wer hat eigentlich behauptet, dass eine Staude durchschnittlich 12 bis 15 Knollen produziert, wie in Gartenbüchern zu lesen ist? Ich habe gestern die zweite meiner beiden Pflanzen gerodet und einen ganzen Eimer voller Knollen in den Keller geschleppt. Was um alle Welt soll ich damit anstellen? Im Kühlschrank gammelt noch mindestens ein Kilo Knollen der ersten Staude vor sich hin.

Mein Repertoire an Topinambur-Rezepten ist doch recht begrenzt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Knollen in größeren Mengen vertilgt nicht so gut verdaulich sind – der darin enthaltene Zucker Inulin macht Blähungen. Trotzdem, wer leckere Rezepte kennt - her damit!