05. Juli 2010
Die Fußball-WM zeigt es überdeutlich: Die Stars allein bringen es nicht - wenn überhaupt. Um zur Geltung zu kommen, brauchen sie ein funktionierendes Team, und mitunter entpuppen sich solide, aber stets
übersehene Teamspieler als die eigentlichen Stars auf dem Rasen. Arne Friedrich, zum Beispiel.
Genauso geht es den floralen Akteuren im (bei mir ja ganz und gar rasenfreien) Garten. Frauenmantel? Igitt, wie gewöhnlich! Den hat doch wirklich jeder! Und ich sage Euch: Zum Glück! Denn Alchemilla mollis (meinetwegen auch A. erythropoda) ist schlicht und einfach eine Schönheit, ganz gleich, ob man ihre grüngelben Schleier aus der Ferne genießt oder die eigentümlichen Sternchenblüten aus der Nähe betrachtet. Und diese Staude wächst nur deshalb überall, weil sie eben so robust, zuverlässig, absolut zickenfrei und obendrein schneckenfest ist. Ich glaube, ich habe noch nie einen Schädling auf Alchemilla gesehen.
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02. Juli 2010
Wenn der “rote Hahn” auf dem Dach sitzt, ist das seit alters her ein Fall für die Feuerwehr. Im Garten verhält es sich nicht anders: Wenn das lackrote Lilienhähnchen in Erscheinung tritt, muss man handeln. Schnell.
Leicht fällt das nicht, denn das Lilienhähnchen ist so ziemlich der hübscheste Käfer, den ich kenne. Trotzdem darf man keine Gnade walten lassen. Denn nicht nur nagt das Krabbeltier selbst an Lilienblättern, sondern, schlimmer noch, es hinterlässt viele, viele orangefarbene Eierchen, aus denen sehr, sehr hungrige Maden schlüpfen. Beginnt man nicht spätetens jetzt mit regelmäßigen Razzien, ist es um die Lilie geschehen.
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16. Juni 2010
Auf meiner Terrasse drängen sich die Kübel mit Paprika, Auberginen, heimatlosen Tomatenpflanzen und den Sommerblumen, die meine Tochter Dora unbedingt aussäen wollte, für die im Garten aber kein Fußbreit Platz mehr war. Die großen Gefäße haben Unmengen Erde geschluckt – und sind nun Schauplatz eines Experiments.
Ich möchte nämlich versuchen, auf Torf weitestgehend zu verzichten. Zwar wird in Deutschland nur noch wenig von dem braunen Faserzeug abgebaut, doch hat sich die Torfgewinnung nun ins Baltikum verlagert, wo sie großflächig Moore zerstört. Im Handel gibt es zwar torffreie Erden, doch habe ich damit unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Produkte der Firma Neudorff kann ich im großen und ganzen empfehlen, doch sind sie ziemlich teuer; billigere Substrate aber riechen zum Teil wie Rindenmulch, und entsprechend schlecht gedeihen die Pflanzen darin. Nicht ausreichend kompostierte Rinde entzieht dem Substrat nämlich Nährstoffe und kann obendrein Substanzen frei setzen, die das Pflanzenwachstum hemmen.
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10. Juni 2010
Manchmal hat man einfach Glück. Endlich habe ich ein paar freie Tage, weil der eine oder andere Auftraggeber es nun doch nicht so eilig hat - und das gerade dann, wenn in Berlin der Sommer einzieht.
Neben Gartenarbeit (heute die letzten Setzlinge ausgepflanzt, Radieschen und Mangold nachgesät, nicht kletternde Kletterhortensie entwirrt und aufgebunden), ausgedehnten Café-Aufenthalten und fleißigem Bloggen habe ich die Zeit genutzt, um den bereits erwähnten Prinzessinengarten in Kreuzberg zu besuchen.
Es hat mich ja schon gewurmt, dass erst meine Freundin und Öko-Mode-Bloggerin Kirsten aus Hamburg mich auf dieses Projekt aufmerksam gemacht hat, obwohl es nur ein paar Fahrradminuten von meinem Zentralgarten entfernt stattfindet und obendrein rauf und runter von den Medien durchdekliniert wurde. “Urban Farming” betreiben die Initiatoren dort am Moritzplatz, dazu ein kleines Café in einem Frachtcontainer, wo ich mir einen Latte Macchiato gegönnt und die Sache in Augenschein genommen habe.
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09. Juni 2010
Ich hätte gedacht, dass der Garten in einem Blütenfeuerwerk explodiert, jetzt, wo es nach all dem Regen plötzlich so warm geworden ist. Aber nichts da, alles geht nach wie vor quälend langsam voran. Ich vermute, dass die plötzliche Hitze und sengende Sonne die Pflanzen stresst - so, wie wir Kreislaufbeschwerden und Sonnenbrand bekommen, wenn es plötzlich sehr warm wird.


So blüht es allenthalben nur verhalten, und die Gallica-Rose “Charles de Mills” spannt mich seit Tagen auf die Folter, so langsam entrollt sie ihre erste Blüte. Spektakulär dafür der Türkenmohn “Patty’s Plum”, den ich ja schon letztes Jahr gelobt habe. Nun aber haben sich sieben oder acht Blüten gleichzeitig geöffnet - das macht “Patty” zum derzeit alles überstrahlenden Star des Gartens.
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07. Juni 2010
Wer Kinder hat, kennt garantiert das weitgehend sinnfreie Liedchen mit dem “husch. husch, husch”-Refrain. Es handelt sich nicht unbedingt um einen Höhepunkt deutscher Sangeskultur, zeigt aber, wie sehr der
Holunder in der Volksseele verwurzelt ist. In manchen Gegenden glaubte man, der Hausgeist wohne im Holler, und es soll sogar üblich gewesen sein, den Hut zu lüften, wenn man an diesem Strauch vorüberging. Hausgeister sind nämlich launisch, und man sollte sie besser nicht ärgern.
Und nun ein Bekenntnis (nein, ich glaube nicht an Geister): Wenn ich in meinem Garten nur Platz für ein einziges Gehölz hätte, es wäre der Holunder. Ja, dieser ganz gewöhnliche Strauch, der an jeder Straßenecke steht und noch in der kleinsten Ritze wurzelt.
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04. Juni 2010
Zerstören Guerilla-Gärtner wertvolle Lebensräume? Sind Community Gardens ökologische Wüsten? Absurde Fragen? Nicht doch: Genau das behauptet nicht nur Heidrun Heidecke vom BUND, sondern auch die
Leipziger Ökologin Ulrike Weiland in der Süddeutschen Zeitung. Frau Heidecke sorgt sich, dass von Guerillas gepflanzte Forsythien und Sommerblumen, “als ursprünglich nicht einheimische Gewächse für Insekten nutzlos” seien, während Frau Weiland um bodenbrütende Nachtigallen auf urbanen Brachflächen bangt.
Hallo? Ich liebe Nachtigallen, freue mich über wild wuchernde Brachflächen, schätze den BUND und die Ökologie sowieso – aber hier, liebe Naturschützer seid Ihr auf dem Holzweg. Wie kann man solchen Unsinn in die Welt setzen?
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24. Mai 2010
Klar, dass Geduld die wichtigste Tugend des Gärtners ist. Oder nicht? In englischen Gartenbüchern findet man mindestens so häufig den Ratschlag, sich nicht zu lange mit kümmernden Pflanzen abzugeben. Was nicht wachsen will, soll willigeren Gewächsen weichen. “Be ruthless”, lautet die Devise.
Irgendwo zwischen diesen Polen trudelt wohl ein jeder Gärtner. Ich selbst neige eher dem ersten zu, aber nicht so sehr aus Gelassenheit. Das Etikett “Geduldsmensch” kann ich mir nicht wirklich anheften. Eher habe ich zu viele andere Dinge zu tun, als dass ich mich durchringen könnte, endlich diese oder jene enttäuschende Pflanze umzusetzen. Was heißt umsetzen – dazu müsste ich ja Platz haben. Und natürlich hasse ich es, lebende Pflanzen dem Kompost zu überantworten. Auch da stehe ich übrigens mittlerweile vor einem Platzproblem: Das Silo ist randvoll…
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13. Mai 2010
Gut, dass ich derzeit kaum vom Schreibtisch wegkomme, sonst würde mich der ausbleibende Frühling schwer frustrieren. Immerhin konserviert das kühle Wetter die meisten Blüten: Wo die Camassias letztes Jahr
binnen Tagen verwelkt waren, zeigen sie nun schon eine ganze Weile ihre zartblauen Sternchenblüten, die gut mit den blassrosa, gefüllten Tulpen “Angélique” harmonieren. Auch sie und andere späte Tulpen bleiben taufrisch.
Verwelkt ist allerdings nun der letzte Strauß ”Prinses Irene” auf meinem Schreibtisch, ebenfalls eine meiner Tulpen-Favoritinnen, Nicht nur, weil meine jüngere Tochter auch Irene heißt (allerdings keine Prinzessin, sondern eine Diktatorin ist), sondern auch wegen ihrer ungewöhnlichen Färbung: leuchtend orange und außen mit violetten Flammen überhaucht. Ein fantastischer Komplementär-kontrast. Im Garten kann ich die Prinzessin allerdings nirgendwo vernünftig kombinieren, deshalb pflanze ich sie als Schnittblume im Gemüsebeet - was für ein Luxus!
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06. Mai 2010
Wer Zeit und Lust hat und im kalten, grauen Berlin Sehnsucht nach leuchtenden Farben verspürt, kann ab morgen die “Hängenden Gärten” meiner Freundin Mechtild van Ahlers in einer Ausstellung der Galerie Art Private Room in der Brunnenstraße 177 (Nähe Rosenthaler Platz) bewundern. Vernissage ist Freitag, 7. Mai um 19 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 30. Mai jeweils dienstags bis samstags von 13.30 bis 20 Uhr und sonntags von 15 bis 19 Uhr zu sehen.
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