09. November 2009
Welcher Gärtner träumt nicht von einer klassischen Staudenrabatte in raffinierten, fein abgestuften Farbkombinationen? Oder ganz in weiß wie Vita Sackville-Wests berühmte Kreation im Garten von
Sissinghurst? Tja, wenn das mal so einfach wäre. In der Praxis stößt man nämlich auf allerlei Hindernisse, an denen die wohldurchdachten Pflanzpläne scheitern.
Da ist zum einen das Klima, das im Sommer deutlich heißer und trockener ist als im Mutterland der Gartenkunst, Großbritannien. Während dort die Stauden bei kühl-feuchter Witterung ihre Blüten hinreichend lange erstrahlen lassen, welken sie bei uns viel schneller dahin. Die Folge: Sorgsam arrangierte Blumenpaare verpassen ihr Rendez-vous.
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02. November 2009
Normalerweise sorgt der morgendliche Gartenrundgang für einen fröhlichen Start in den Tag. Manchmal aber kann er mir auch nachhaltig die Laune verderben. Gestern zum Beispiel entdeckte ich drei kleine, unauffällige Kuhlen im Staudenbeet. Auffällig war bloß, dass sie sich an eben der Stelle befanden, wo ich zehn Tage zuvor Winterlinge gesetzt hatte.
Ich grub nach und fand meine Befürchtung bestätigt. Besser gesagt: Ich fand – nichts. Keine einzige der kleinen, braunen Knollen war übrig geblieben. Es müssen Mäuse gewesen sein.
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30. Oktober 2009
Als ich gestern den Briefkasten leeren wollte, fand ich auf der Schwelle ein sattgelbes, perfekt geformtes Ahornblatt. Es war, als habe es mir jemand als Gruß vor die Tür gelegt, der Herbst persönlich vielleicht.
Viele Menschen stimmt er ja depressiv, doch ich liebe diese Jahreszeit trotz Nieselregen, Dunkelheit und relativer Blütenarmut sehr. Denn was braucht es Blumen, wenn das Herbstlaub für einen Farbenrausch ohnegleichen sorgt? Zu keiner anderen Zeit trägt die Natur ihre Farben so großflächig, mit so expressiv-dickem Pinselstrich auf. Bei Indian Summer denkt man ja automatisch an Bäume, doch in meinem Garten, der in diesen Tagen genau drei Jahre alt wird, sind die Gehölze naturgemäß noch klein. Überhaupt dürfte in den wenigsten Stadtgärten Platz für einen ausgewachsenen Ahorn, einen Amberbaum oder gar eine Buche sein.
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27. Oktober 2009
Als sich die Temperaturen in Berlin zwischenzeitlich dem Gefrierpunkt näherten, barg ich dann doch hektisch alles kälteempfindliche Gemüse. Die Ernte dieses Jahres kann sich sehen lassen, und meine
Bedenken, mit Auberginen und Paprika peinliche Flops zu landen, haben sich als grundlos erwiesen: Die getopfte Paprika auf der Terrasse lieferte drei feuerwehrautorote, sehr schmackhafte Früchte. Und selbst die vier Pflanzen im Beet kamen noch zusammen auf sechs grüne Schoten von Supermarktformat.
Vom ersten und größten (über zwei Kilo!) Butternuss-Kürbis haben wir schon dreimal gegessen, und es ist immer noch ein Rest da. Die zwei weiteren, etwas kleineren liegen im Heizungskeller und reifen nach, zusammen mit den letzten Tomaten. Und die Ente der tischtennisballgroßen Auberginen fiel immerhin so groß aus, dass wir drei Mahlzeiten damit bestreiten konnten.
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23. Oktober 2009
Neulich habe ich mir zwei Bände mit alten Gartenkolumnen des mittlerweile verstorbenen Zeit-Autors Jürgen Dahl aus der Bibliothek geholt (”Nachrichten aus dem Garten”. Obwohl die Texte teils über 20 Jahre
alt sind, wirken sie noch immer frisch und inspirierend. Vor allem hat mir gefallen, welche Aufmerksamkeit Dahl unscheinbaren Gewächsen - oft unbekannten heimischen Wildpflanzen – und kleinsten Details widmete. So legte er eine Wegerich-Sammlung (!) an und registrierte genau, welche subtil unterschiedlichen Formen dieser wandelbaren (Un)Kräuter in seinem Garten gediehen.
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16. Oktober 2009
Als Berlinerin ist man ja daran gewöhnt, nicht von dem fähigsten aller Apparate verwaltet zu werde, ich sage nur Spreedreieck, Wasserwerke, und, ach ja, Berliner Bank. Auch dass die Berliner Behörden nicht immer ein gutes Händchen für Grünanlagen besitzen, kann ich direkt vor meiner Haustür beobachten. Dort wurde ja ein alter Baumbestand abgeholzt, um Platz für einen repräsentativen Park zu schaffen. Seither beißt sich das Grünflächenamt die Zähne an der offenbar sehr anspruchsvollen Aufgabe aus, einen leidlich grünen Rasen anzulegen.
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13. Oktober 2009
Diese Frage stellte die Wiener Landschaftsökologin Sabine Plenk auf der Tagung “Gräser und Wiesen im öffentlichen Raum” an der TU Berlin, die ich am Wochenende besucht habe. Ihr seht, ich gehe das Gärtnern
jetzt sogar wissenschaftlich an, allerdings ist die Kunde der Pflanzenverwendung ja auch zugänglicher als der Kram, mit dem ich mich während meines Maschinenbaustudiums herumgeschlagen habe.
Die Steppe interessiert die Landschaftsplaner derzeit so brennend, weil ihre Pflanzen robust und trockenheitsverträglich sind, so dass sie sich für Grünflächen in der Großstadt perfekt eignen - gerade in Hinblick auf den Klimawandel und die Dürreperioden, die uns in den nächsten Jahrzehnten bevorstehen. Pflanzen der osteuropäischen Steppe wie Adonisröschen, Küchenschelle, diverse Nelken und Iris sowie Gräser sind nicht nur pflegeleicht - und schonen damit die kommunalen Kassen - sondern auch schön.
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05. Oktober 2009
Momentan muss ich mir die Zeit für den Garten stehlen, wenn zufällig mal beide Kleinen schlafen oder mein Gatte heroisch im Familieneinsatz ist. Viel gemacht habe ich also in den letzten Wochen nicht. Vorletzten Samstag versuchte ich, den Berg Blumenzwiebeln, den ich mal wieder in einem haltlosen Augenblick bei meinem Lieblingsdiscounter erworben hatte, abzutragen, bin aber nicht weit gekommen. In Gartenbüchern sieht das ja immer so einfach aus: Ein schönes tiefes Loch graben, Zwiebeln rein, Deckel zu.
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24. September 2009
Die Sonne hat sich verabschiedet, nur der Kürbis, der sich auf die Eibenhecke von Nachbar Th. geschwungen hat, bekommt derzeit noch ein paar Strahlen ab. Trotzdem besuchen noch immer viele Bienen
und auch gelegentlich der eine oder andere Schmetterling meinen Garten. Und, weniger willkommen, jede Menge Wespen, die offenbar magisch von den eigentümlich riechenden Silberkerzen (Cimicifuga) angezogen werden.
Öko-Gärtner setzen sich ja oft vehement für einheimische Pflanzen ein und neigen mitunter dazu, Gartenzüchtungen oder Gewächse anderer Kontinente zu verdammen. Nach meinen Beobachtungen zeigen Bienen, Hummeln & Co. jedoch keineswegs eine Präferenz für die mitteleuropäische Flora. Im Gegenteil: Um diese Jahreszeit blüht ja kaum noch eine einheimische Blume. Doch unverdrossen tummeln sich die Nektarsammlerinnen in meinem Staudenbeet, wo nun vor allem amerikanische Präriestauden noch Farbe zeigen.
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17. September 2009
Der Sommer ist definitiv vorbei. Immer kürzer scheint die Sonne in meinen Garten, und von Tag zu Tag wird der Streifen schmaler, den sie mit ihrem Strahlen streift. Eine gewisse Hektik breitet sich aus: Wie viele
Tomaten werden noch erröten, bis ich die letzten grünen Früchte zum Nachreifen ins Haus holen muss? Schaffen es die beiden kleinen Kürbisse noch, auf Ernteformat anzuschwellen? Und wird wirklich nur eine einzige Paprika vollreif-rot durchs Ziel gehen?
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