Prima Idee

04. Mai 2010

Wer als Innenstadtbewohner nicht das Glück hat, wie ich einen Zentralgarten zu bestellen, dem blieb bislang allenfalls die Option, sich um einen Schrebergarten zu bewerben. Für viel beschäftigte Zeitgenossen dürfte das aber wenig praktikabel sein (von dem ganzen antiquierten Reglement mal abgesehen), denn wer kann schon bei heißem Wetter täglich eine halbe Stunde oder so unterwegs sein, um das Gemüse zu gießen?

Nun gibt es hier in Berlin ein Projekt, das einen eleganten Kompromiss darstellt: Beim “Bauerngarten Berlin” kann man zum Saisonbeginn eine fertig mit allerlei Gemüsen bepflanzte Parzelle am Stadtrand pachten und sich dann der weiteren Pflege widmen – und natürlich dem Ernten. Wer gerade keine Zeit hat, muss nicht um das Leben seiner Zucchinis zittern, denn die Initiatoren sorgen für die Bewässerung.

Schöner sitzen

30. April 2010

Wie Ihr wisst, bin ich ja kein Fan von Gartenaccessoires. Ein paar Gartenstühle brauche allerdings auch ich. Das sind bei mir schlichte (aber, wie ich finde, funktional-formschöne) Alumöbel aus dem Gastronomiebedarf. Spätestens seit unser Freund und Agent M. beim Lob meines Gartens naserümpfend die Alumöbel ausschloss, weiß ich jedoch, dass nicht alle Gartenfreunde meinen minimalistischen Geschmack teilen.

Kurz: Wer von Euch gerade erwägt, sich neue Gartenstühle, -tische,-bänke aus Holz zu kaufen, dem empfehle ich den aktuellen Holzeinkaufsführer des WWF. Denn gerade für den Außenbereich wird ja immer noch viel Holz verwendet, das aus dem Raubbau an Urwäldern stammt. Das gilt nicht nur für Tropenholz wie Teak, sondern auch für ganz normale Nadelhölzer, die etwa in Russland in großem Stil illegal eingeschlagen werden.

Das Mysterium der Tulpen

22. April 2010

Eigentlich assoziiert man Tulpen ja mit Holland. Was seltsam ist: Die Zwiebelgewächse gehören überhaupt nicht in ein feucht-mildes, maritimes Klima, sondern sind in sommerheißen und dann knochentrockenen Regionen Zentralasiens, des Iran und der Türkei zuhause. Also kein Wunder, dass sie bei mir prima klarkommen.

Überhaupt, vergesst Haarlem, Amsterdam & Co.: Die wahre Tulpenstadt ist Berlin, nicht zuletzt wegen des “Tulipan”-Festivals im Britzer Garten, von dem ich hier ja schon einmal geschwärmt habe. Und im Brandenburger Quasi-Steppenklima scheinen sich die Tulpen auch viel besser zu halten, als die Gartenratgeber gemeinhin unken. So gesteht der britische Gartendesigner  und Guardian-Kolumnist Dan Pearson, die meisten seiner Tulpenzwiebeln nach der ersten Blüte auf den Kompost zu befördern. Sollen sie nochmals blühen, müsste man sie ausgraben und trocken aufbewahren.

Hilfe, Topinambur!

15. April 2010

Es gibt Gemüse, das vorzüglich schmeckt, aber trotzdem zum Alptraum werden kann. Topinambur zum Beispiel. Wer hat eigentlich behauptet, dass eine Staude durchschnittlich 12 bis 15 Knollen produziert, wie in Gartenbüchern zu lesen ist? Ich habe gestern die zweite meiner beiden Pflanzen gerodet und einen ganzen Eimer voller Knollen in den Keller geschleppt. Was um alle Welt soll ich damit anstellen? Im Kühlschrank gammelt noch mindestens ein Kilo Knollen der ersten Staude vor sich hin.

Mein Repertoire an Topinambur-Rezepten ist doch recht begrenzt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Knollen in größeren Mengen vertilgt nicht so gut verdaulich sind – der darin enthaltene Zucker Inulin macht Blähungen. Trotzdem, wer leckere Rezepte kennt - her damit!

Frust und Freuden

13. April 2010

Auch wenn man sich nicht selbst loben soll, so muss ich sagen, dass ich von meinem Vorgarten derzeit wirklich entzückt bin. Manchmal gelingt im Garten ja doch etwas, eine perfekte Kombination, die all die fehlgeschlagenen Versuche, die sich nicht manifestierenden Fantasien vergessen lässt. Und oft sind diese Pflanzungen weniger ein Produkt der Planung als des Zufalls…

Bei mir zumindest waren ein paar spontane, voneinander unabhängige Entscheidungen ausschlaggebend: das Stehenlassen der verdorrten Grasbüschel sowie der zwanghafte Kauf billiger Narzissen- und Tulpenzwiebeln, die ich dort verscharrte (pflanzen kann man das gar nicht nennen), wo sich im Herbst noch ein paar freie Quadratzentimeter fanden. Die Erde war seinerzeit so trocken und hart, und ich setzte die Zwiebeln entsprechend flach, dass ich ihnen wenig Chancen gab. Weit gefehlt! Gelbe Narzissen, gelbes Steinkraut (noch so ein Spontankauf) und orangerote botanische Tulpen, deren Namen ich nicht mehr weiß, weil ich das Etikett verbummelt habe, bilden zusammen mit den bleichen Grashalmen ein wunderbar harmonisches und zugleich ungewöhnliches Bild.

Nach dem Lichtverzicht

09. April 2010

So heißt eine Gedichtzeile von Paul Celan, von dem sich meine Freundin Mechtild van Ahlers gern inspirieren lässt. Mechtild liebt Blumen und besitzt sogar einen kleinen Garten in einem Kreuzberger Hinterhof. Eine passionierte Gärtnerin ist sie dennoch nicht, dafür eine ausgezeichnete Malerin. Gerade jetzt, wo die Sonne nach so langem Wintergrau fast schmerzlich ins Auge sticht, geben ihre nach Celan gemalten Bilder die Stimmung passend wieder.

Denn das plötzlich erstrahlende Licht des Frühlings bringt, findet Mechtild, ja nicht nur Erfreuliches zutage: Auch der lange verborgene Unrat des Winters wird schnonungslos ausgeleuchtet. In meinem Garten zum Beispiel stechen nun unübersehbar die traurigen Skelette der erfrorenen Pflanzen ins Auge, die noch vor zwei, drei Wochen einen Funken Leben in sich zu haben schienen.

Der Frühling ist da!

08. April 2010

Jetzt auch in Berlin, Tusch, Fanfare: der FRÜHLING! Tagestemperaturen ÜBER 15 GRAD! WAHNSINN! Nach so langer Entbehrung begeistert mich jede Christrose, jede Osterglocke umso mehr, und ich vergesse fast, dass mein Garten so aussieht wie sonst Anfang oder Mitte März. Von den weißlich-grünen und morbid-mauvefarbenen Tönen der Christrosen abgesehen, dominiert bei mir im Moment ganz klar die umstrittene Farbe Gelb, insbesondere im Vorgarten. Dort werden die verschiedenen Discount-Osterglocken in den nächsten Tagen Verstärkung von Steinkraut (Alyssum) und Walzenwolfsmilch (Euphorbia myrsinites) erhalten.

Urban Guerilla

27. März 2010

Heute mal keine Pflanze, sondern ein Mann. Diesen fotogenen Herrn, dem man auf den ersten Blick nicht zutraut, dass er sich öfter mal die Hände schmutzig macht, trafen meine Freundin Kirsten und ich letzte Woche, um uns über Guerilla Gardening als Aktionsform zu unterhalten. Wie kein anderer hat Richard Reynolds dazu beigetragen, das zwar schon in den 70er Jahren in New York erfundene, aber zwischenzeitlich in Vergessenheit geratene Gärtnern auf fremdem Land zu einer angesagten Freizeitbeschäftigung zu machen.

Die Farbe Gelb

26. März 2010

In der letzten Zeit hatte ich das Vergnügen, für die Zeitschrift “Flora Garten” eine ganze Reihe Gärtnerinnen zu interviewen. Sie alle besitzen höchst geschmackvolle, der Öffentlichkeit zugängliche Gärten und verbringen viel Zeit mit der Komposition wunderschöner Pflanzungen. Was mich irritierte, war dieser Satz, der, in unterschiedlicher Formulierung, in diesen Gesprächen immer wieder fiel: “Gelb kann ich nicht ausstehen.” Entsprechend sind die allermeisten dieser Prachtgärten in dezentem weiß-rosa-violett-blau gehalten, mit dem gelegentlichen weinroten Akzent…

Die Geständnisse der Z.

17. März 2010

Nachdem ich in letzter Zeit ja nicht sehr präsent war, hier schon der zweite Eintrag in zwei Tagen. Aber langsam scheint es tatsächlich Frühling zu werden, und so, wie draußen die Säfte steigen, wächst bei mir die Lust, über das Gärtnern nachzudenken und zu plaudern. Und da mein Gatte immer so einen glasigen Blick bekommt, wenn ich das G-Thema anschneide, bleibt mir da nur der Blog.

Nachdem ich nun schon begonnen habe, Geständnisse zu machen, kann ich ja gleich fortfahren. Und zum Beispiel verraten, dass ich heute für meinen aus allen Nähten platzenden Garten wieder ein Päckchen Stauden bestellt habe. Ich will nämlich meinen Vorgarten umgestalten, statt der unter der Trockenheit leidenden Präriestauden sollen Färberkamille (Anthemis), Palisaden-Wolfsmilch (Euphorbia x characias) und eine exquisite cremegelbe Fackellilie (Kniphofia “Vanilla”) einziehen.