Frust und Freuden

13. April 2010

Auch wenn man sich nicht selbst loben soll, so muss ich sagen, dass ich von meinem Vorgarten derzeit wirklich entzückt bin. Manchmal gelingt im Garten ja doch etwas, eine perfekte Kombination, die all die fehlgeschlagenen Versuche, die sich nicht manifestierenden Fantasien vergessen lässt. Und oft sind diese Pflanzungen weniger ein Produkt der Planung als des Zufalls…

Bei mir zumindest waren ein paar spontane, voneinander unabhängige Entscheidungen ausschlaggebend: das Stehenlassen der verdorrten Grasbüschel sowie der zwanghafte Kauf billiger Narzissen- und Tulpenzwiebeln, die ich dort verscharrte (pflanzen kann man das gar nicht nennen), wo sich im Herbst noch ein paar freie Quadratzentimeter fanden. Die Erde war seinerzeit so trocken und hart, und ich setzte die Zwiebeln entsprechend flach, dass ich ihnen wenig Chancen gab. Weit gefehlt! Gelbe Narzissen, gelbes Steinkraut (noch so ein Spontankauf) und orangerote botanische Tulpen, deren Namen ich nicht mehr weiß, weil ich das Etikett verbummelt habe, bilden zusammen mit den bleichen Grashalmen ein wunderbar harmonisches und zugleich ungewöhnliches Bild.

Nach dem Lichtverzicht

09. April 2010

So heißt eine Gedichtzeile von Paul Celan, von dem sich meine Freundin Mechtild van Ahlers gern inspirieren lässt. Mechtild liebt Blumen und besitzt sogar einen kleinen Garten in einem Kreuzberger Hinterhof. Eine passionierte Gärtnerin ist sie dennoch nicht, dafür eine ausgezeichnete Malerin. Gerade jetzt, wo die Sonne nach so langem Wintergrau fast schmerzlich ins Auge sticht, geben ihre nach Celan gemalten Bilder die Stimmung passend wieder.

Denn das plötzlich erstrahlende Licht des Frühlings bringt, findet Mechtild, ja nicht nur Erfreuliches zutage: Auch der lange verborgene Unrat des Winters wird schnonungslos ausgeleuchtet. In meinem Garten zum Beispiel stechen nun unübersehbar die traurigen Skelette der erfrorenen Pflanzen ins Auge, die noch vor zwei, drei Wochen einen Funken Leben in sich zu haben schienen.

Der Frühling ist da!

08. April 2010

Jetzt auch in Berlin, Tusch, Fanfare: der FRÜHLING! Tagestemperaturen ÜBER 15 GRAD! WAHNSINN! Nach so langer Entbehrung begeistert mich jede Christrose, jede Osterglocke umso mehr, und ich vergesse fast, dass mein Garten so aussieht wie sonst Anfang oder Mitte März. Von den weißlich-grünen und morbid-mauvefarbenen Tönen der Christrosen abgesehen, dominiert bei mir im Moment ganz klar die umstrittene Farbe Gelb, insbesondere im Vorgarten. Dort werden die verschiedenen Discount-Osterglocken in den nächsten Tagen Verstärkung von Steinkraut (Alyssum) und Walzenwolfsmilch (Euphorbia myrsinites) erhalten.

Urban Guerilla

27. März 2010

Heute mal keine Pflanze, sondern ein Mann. Diesen fotogenen Herrn, dem man auf den ersten Blick nicht zutraut, dass er sich öfter mal die Hände schmutzig macht, trafen meine Freundin Kirsten und ich letzte Woche, um uns über Guerilla Gardening als Aktionsform zu unterhalten. Wie kein anderer hat Richard Reynolds dazu beigetragen, das zwar schon in den 70er Jahren in New York erfundene, aber zwischenzeitlich in Vergessenheit geratene Gärtnern auf fremdem Land zu einer angesagten Freizeitbeschäftigung zu machen.

Die Farbe Gelb

26. März 2010

In der letzten Zeit hatte ich das Vergnügen, für die Zeitschrift “Flora Garten” eine ganze Reihe Gärtnerinnen zu interviewen. Sie alle besitzen höchst geschmackvolle, der Öffentlichkeit zugängliche Gärten und verbringen viel Zeit mit der Komposition wunderschöner Pflanzungen. Was mich irritierte, war dieser Satz, der, in unterschiedlicher Formulierung, in diesen Gesprächen immer wieder fiel: “Gelb kann ich nicht ausstehen.” Entsprechend sind die allermeisten dieser Prachtgärten in dezentem weiß-rosa-violett-blau gehalten, mit dem gelegentlichen weinroten Akzent…

Die Geständnisse der Z.

17. März 2010

Nachdem ich in letzter Zeit ja nicht sehr präsent war, hier schon der zweite Eintrag in zwei Tagen. Aber langsam scheint es tatsächlich Frühling zu werden, und so, wie draußen die Säfte steigen, wächst bei mir die Lust, über das Gärtnern nachzudenken und zu plaudern. Und da mein Gatte immer so einen glasigen Blick bekommt, wenn ich das G-Thema anschneide, bleibt mir da nur der Blog.

Nachdem ich nun schon begonnen habe, Geständnisse zu machen, kann ich ja gleich fortfahren. Und zum Beispiel verraten, dass ich heute für meinen aus allen Nähten platzenden Garten wieder ein Päckchen Stauden bestellt habe. Ich will nämlich meinen Vorgarten umgestalten, statt der unter der Trockenheit leidenden Präriestauden sollen Färberkamille (Anthemis), Palisaden-Wolfsmilch (Euphorbia x characias) und eine exquisite cremegelbe Fackellilie (Kniphofia “Vanilla”) einziehen.

Rosen-Roulette

16. März 2010

Seit einiger Zeit rätsele ich bei meinen Einkaufstouren im politisch unkorrekten Discounter schon über die Rosen, die da für 95 Cent zu haben sind. Zum Beispiel wird eine mysteriöse gelbe Kletterrose namens “A. Meilland” angepriesen. Eine kleine Netzrecherche ergab, dass eine Rose namens “Mme. A. Meilland” zwar existiert, deren weitaus geläufigerer Name jedoch “Gloria Dei” lautet. Dieser Klassiker aber ist nicht nur keine richtige Kletterrose, sondern auch keineswegs so knallgelb wie auf der Kartonage abgebildet.

Urzeit-Garten

24. Februar 2010

In letzter Zeit habe ich mich beim Bloggen ja etwas zurückgehalten, und das lag nicht nur am Schnee. Es hatte auch mit Dinosauriern zu tun. Über deren Evolution habe ich für ein Magazin gerade einen Artikel geschrieben und bin dabei so sehr dem Dino-Fieber verfallen wie zuletzt mit acht Jahren, als ich noch Paläontologin werden wollte. Dank an dieser Stelle an Heinrich Mallison vom Berliner Naturkunde-Museum, der mich bis in den Knochenkeller seines Hauses führte, wo auf Lagerregalen die Relikte der Urzeitviecher vor sich hin stauben. Hat jemand schon einmal die Klaue eines Sauriers in der Hand gehalten, der vor 200 Millionen Jahren gelebt hat? Ein eigenartiges Gefühl.

Geheim, aber nicht aufregend

04. Februar 2010

Da ich ja in meinem Garten nach wie vor nur weiß sehe, habe ich mich wieder einer weiteren Lieblingsbeschäftigung zugewandt: Gartenbücher lesen. Und siehe da, endlich hat die Bibliothek den Band “Die geheimen Gärten von Berlin” ausgespuckt, nach dem ich hier ja schon einmal gefragt wurde. Also eine kurze Rezension.

Ein gediegenes Buch, keine Frage, sehr gut fotografiert, nett zum Blättern. Aber, liebe Rita, kaufen würde ich es mir nicht. Weil mir die Auswahl doch zu konventionell ist – schöne, repräsentative, aber nicht sonderlich originelle Gärten. Um nicht zu sagen: bieder. Klar, da ist der eine oder andere spektakuläre Villengarten mit Wassergrundstück, aber mir fehlt doch der zeitgemäße Touch. Mit einer Ausnahme vielleicht finden sich keine Beispiele moderner Pflanzenverwendung, kein wirklich frisches Design. Und deshalb für mich auch keine Inspiration.

Sorry, eine Panne

02. Februar 2010

Wer zu müde zum denken ist, sollte auch nicht bloggen - und schon gar keine Spamkommentare löschen. Dabei ist mir nämlich der GAU passiert, und so ziemlich alle Kommentare der letzten Wochen sind im Nirwana gelandet. War keine Absicht, sondern nur eine durchwachte Nacht. Und jetzt schneit es auch noch. Ich wandere aus. Irgendwohin, wo es weder Schnee noch schreiende Kinder oder Erkältungsviren gibt, sondern tropisch wuchernde Gärten, die nicht wochenlang einfach verschwinden wie gelöschte Kommentare…